Sommertraum

Die Wolken zogen am Himmel vorbei, der Wind trug sie immer weiter und ließ die Blätter der Bäume rauschen. Es klang fast wie das Meer, das mit regelmäßigem Plätschern gegen die Hafenmauern schlug. Die Sonne wärmte mich angenehm und ich schloss die Augen.

Als ich sie wieder öffnete stand ich an einem alten Hafen. Über mir saßen Möwen auf den Masten von prächtigen Schiffen mit riesigen Segeln, die im auffrischenden Wind flatterten. Sie waren in allen nur erdenklichen Farben zu sehen und manche trugen sogar herrschaftliche Wappen. Zwischen den großen Schiffen schaukelten zahlreiche Fischerboote lustig auf den Wellen. Die Fischer darin trugen altertümliche Kleidung und holten ihre Netze ein.

Ein kleiner Junge sah mich an und lächelte mir freundlich zu. Unwillkürlich musste auch ich lächeln. Weiter draußen auf dem Meer glitten noch einige Segelboote durch das Wasser, aber sie waren so weit weg, dass man sie nur noch erahnen konnte. Auch auf den Stegen herrschte ein reges Treiben und Stimmengewirr erfüllte die Luft. Männer in schmucken Anzügen und mit Gehstöcken schlenderten am Wasser entlang und die Frauen, die sich an ihren Armen eingehakt hatten, trugen hübsche Sommerkleider. Auch die Farben und Muster der Kleider waren von großer Vielfalt. Manche der Damen trugen ihre Haare kunstvoll hochgesteckt, andere versteckten sie unter riesigen Hüten. Einige wedelten sich mit Fächern aus feinster Spitze Luft zu, wieder andere trugen farblich abgestimmte Sonnenschirme bei sich.

Ich blickte an mir herunter und sah, dass ich ein prächtiges grünes Kleid mit feinen langen Ärmeln trug. In meine Haare waren grüne Bänder eingeflochten und sie waren kunstvoll aufgesteckt. „Achtung!“, ertönte plötzlich eine laute Stimme von hinten. Erschrocken sprang ich zur Seite. Ein Seemann rollte ein schwer aussehendes Fass an mir vorbei. Schweißtropfen glänzten auf seiner Stirn und das weiße Leinenhemd, das er trug, war verschwitzt. Seine blaue Hose war etwas schmutzig und der weiße Hut mit einem blauen Band war verrutscht. Schwer schnaufend blieb er kurz stehen und streckte seinen Rücken. Als er sah, dass ich ihn beobachtete, neigte er den Kopf und tippte zum Gruß mit der Hand an seine Mütze. Schließlich machte sich der Seemann wieder an die Arbeit. Eine Weile beobachtete ich ihn noch, dann wandte ich meinen Blick wieder dem Meer zu.

Sommertraum 2.JPG

Ich atmete tief ein und genoss den typisch salzigen und ein wenig bitteren Geruch. Doch der Wind drehte und zahlreiche exotische Gerüche drangen mir in die Nase. Ich drehte mich um und sah, dass Händler vor den Häusern ihre Stände aufgebaut hatten und nun ihre Waren feilboten. Das ging von farbenprächtigen Kleidern und Stoffen über unbekannte Gewürze und Speisen bis hin zu dem erlesensten Schmuck, den ich je gesehen hatte. Vor den Ständen drängelten sich die Leute und bewunderten die Waren. Die Kinder standen staunend vor glitzernden Perlen und feinen Stoffen und die Erwachsenen feilschten lautstark mit den Händlern. Ich ging auf eine Marktfrau in einem dunkelblauen Kleid zu, die mich freundlich anlächelte. Ihre schwarz‑ grauen Haare waren zu einem langen Zopf geflochten, der ihr über die Schultern hing. Auf einem einfachen Holztisch vor ihr lagen verschiedene Blumen aus allen Herren Ländern. Ich nahm vorsichtig eine Rose in die Hand und roch daran, dann entdeckte ich neben den Blumen wunderschöne Muscheln in allen Formen und Farben. Ich legte die Rose zurück und nahm eine kleine blau schillernde Muschel in die Hand. Sie fühlte sich ganz glatt an und es rieselte noch ein wenig Sand heraus. Sie war sehr hübsch. Die Frau nickte und sprach mich in einer fremden Sprache an, dann hielt sie zwei Finger in die Höhe. Ich sah an mir herunter und bemerkte eine kleine lederne Geldbörse an dem braunen Gürtel meines Kleides. Als ich sie öffnete, glänzten viele kleine Silberstücke im Sonnenlicht. Ich holte zwei hervor und gab sie der Frau. Sie nahm sie und knickste. Fröhlich neigte ich den Kopf zum Dank und ging weiter. Die Muschel behielt ich in der Hand.

Ich ging wieder näher ans Wasser heran und ließ langsam das bunte Treiben hinter mir. Immer weniger Schiffe lagen vor Anker und der Hafen ging in einen Strand über. Hier war ich ganz allein und das Stimmengewirr wurde immer leiser,  je weiter ich mich vom Hafen entfernte. Ich zog meine Schuhe aus und grub meine Zehen in den feinen Sand. Das Wellenrauschen war wieder lauter zu hören und nur ab und zu schrie eine Möwe über mir. Ich ging näher an das Wasser heran und ließ es meine Füße umspülen. Dann hörte ich eine Stimme, wie von fern meinen Namen rufen. Immer und immer wieder. Der Strand verblasste langsam, nur der Wind blieb.

Jemand rüttelte mich und ich schlug langsam die Augen auf. Die Wolken über mir hatten sich orange verfärbt und die Sonne war schon fast untergegangen. Es wurde langsam kalt. Ich richtete mich auf und sah mich um. Ich befand mich am Ufer eines kleinen Sees, in den meine Füße hingen. Über mir rauschten die Blätter der Laubbäume im Wind und das Wasser plätscherte leise. Meine beste Freundin stand kopfschüttelnd über mir. „Na, ausgeschlafen? Wir sollten nach Hause, es wird dunkel.“ Ich stand auf und klopfte mir das Gras ab. Unsere Fahrräder standen einige Meter neben und an einen Baum gelehnt. Wir stiegen lachend auf und fuhren den schmalen Weg entlang, zurück nach Hause.

Zwischen den umgeknickten Grashalmen der Wiese schimmerte in den letzten Sonnenstrahlen des Tages eine kleine blaue Muschel.

 

Das ist die versprochene Kurzgeschichte von meiner Freundin Ronja. Ich hoffe, sie hat dir gefallen. Schreib mir doch mal deine Meinung, ob ich so etwas öfter hochladen soll. Ich persönlich finde ja, dass Ronja richtig gut schreiben kann und in Sachen Kurzgeschichten ist sie mir auf jeden Fall weit voraus.

Bis bald, deine

 

Ronja & Angela ❤

2 Gedanken zu “Sommertraum

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