Literaturkanon?

Wer den literarischen Kanon der eigenen Muttersprache nicht kennt, hat sein (oder ihr) rechtmäßiges Erbe auf den Müll geworfen. – Ruth Klüger

Endlich schreibe ich mal wieder etwas. In letzter Zeit hatte ich eine totale Schreibblockade und damit absolut keine Ideen. Zu den Sunday Thoughts habe ich auch nichts geschrieben, weil ich es ehrlich gesagt vergessen habe. Wahrscheinlich, weil ich die letzten beiden Samstage sehr lange arbeiten war und dann am Sonntag so fertig, dass ich mich zu nichts aufraffen konnte.

Aber jetzt zum Thema: Wieder einmal hat mich mein Deutschunterricht auf die Idee gebracht, wie schon beim Bestseller-Beitrag. Man möchte es nicht für möglich halten, aber so ist es. Am Anfang dieses Schuljahrs sollten wir einmal ein Brainstorming darüber machen, ob es einen Literaturkanon an Schulen geben sollte. Wenn du dich jetzt fragst, was das ist, dann geht es dir genauso wie uns im Unterricht. Literaturkanon bedeutet, dass es Bücher geben soll, die jeder in der Schule lesen muss. So eine Liste wird dann vom Kultusministerium vorgegeben und beinhaltet beispielsweise Werke wie Goethes Faust oder Die Räuber von Schiller.

Das Brainstorming war für eine Erörterung oder einen Essay gedacht, aber wir haben nie einen Aufsatz geschrieben und so möchte ich das jetzt nachholen in Anlehnung an unsere Argumente von damals.

Literaturkanon 2.jpg

Ich muss zu Anfang klar stellen, dass ich nicht wirklich für eine Seite bei diesem Thema bin. Ich weiß nicht, ob ich dafür oder dagegen bin, da beide Seiten gute Argumente aufweisen. Und da ich sowieso viel lese, finde ich die Lektüren in der Schule auch nicht besonders schlimm. Natürlich lese ich wie die meisten anderen, nur selten ein Buch von der Schule ganz durch, aber zum Beispiel Faust – Der Tragödie Erster Teil habe ich ganz durchgelesen und auf die Dramenanalyse in der Klausur eine Eins bekommen. Aber auf der anderen Seite habe ich Die Räuber von Friedrich Schiller, was wir letztes Jahr gelesen haben, gehasst und auch nicht wirklich verstanden. Du siehst also, dass auch ich da geteilter Meinung bin. Aber nun zum eigentlichen Argumentationsteil:

Ich beginne jetzt einfach einmal mit der Pro-Seite und muss sagen, dass wir dafür mehr Argumente gefunden haben, was aber nicht automatisch für diese Seite spricht. Allerdings habe ich jetzt nur drei Argumente pro Seite rausgesucht, weil das die wichtigsten in meinen Augen sind.

Ohne Kanon gibt es nur Willkür, Beliebigkeit und Chaos und, natürlich, Ratlosigkeit.

– Marcel Reich-Ranicki

Zum einen kann man natürlich die Entwicklung der Literatur besser beobachten und analysieren, wenn man eine Vorgabe der Bücher hat, die man lesen soll im Unterricht. Man sollte dabei meiner Meinung nach aus jeder relevanten Epoche ein Werk lesen und nicht wie es manche Lehrer machen, aus der Aufklärung fünf und dafür aus allen anderen nichts mehr. Dadurch sieht man dann nämlich auch, wie sich die Gesellschaft und die Werte entwickelt haben. Und das hilft einem im Abitur natürlich genauso, wie später im Studium.

Als nächstes kann man seinen sprachlichen Horizont erweitern, wenn man Bücher aus anderen Jahrhunderten liest. Man bekommt einen Eindruck der Sprachentwicklung in Deutschland und einen größeren Wortschatz.

Was noch für einen Literaturkanon an Schulen spricht, ist, dass man die Themen aus Faust und Co. noch sehr gut auf Heute beziehen kann, da sie oft zeitlos und immer noch aktuell sind. Außerdem kann man sein literarisches Wissen auch fächerübergreifend nutzen. Ich habe z.B. eine Parallele von Goethes Faust – Der Tragödie Erster Teil zu der Geschichte des Hiob aus der Bibel gezogen, die wir in Religion besprochen haben. Denn Goethe hat sich in seinem Prolog im Himmel Inspiration aus dem Buch Hiob geholt.

Literatur ist ein Spiel, man soll sie nicht so bierernst nehmen. Es ist keine Religion, Literatur muss Spaß und Vergnügen bringen – ein erhabenes, ein herrliches Spiel.

(nach Unicum Campus)

Aber natürlich gibt es auch die Gegenseite, die ich ebenso gut verstehen kann. Diese ist zum Beispiel für mehr Freiheiten im Unterricht. Also, dass die Lehrer und Schüler mehr eigene Entscheidungen über ihren Unterrichtsinhalt treffen sollten. Lehrer sollten selbst ermessen können, was sie mit ihren Klassen lesen, und was nicht.

Außerdem fehlt bei den meisten Schülern wie ich oben schon erwähnt habe, das Verständnis für die alte Sprache und die Zusammenhänge zwischen den Bücher, den Epochen oder den gesellschaftlichen Belangen. Viele sagen, dass die Werke ihnen zu kompliziert geschrieben sind und dass sie deswegen lieber eine Zusammenfassung im Internet lesen, statt das Buch. Und das ist ja dann auch nicht Sinn der Sache.

Und als letztes Argument (was sich auf das Vorherige bezieht) finde ich das mangelnde Interesse noch relevant. Dadurch ist den Schülern im Unterricht langweilig und die Lektüren werden zum Zwang, was grundsätzlich gegen unsere modernen Erziehungs- und Unterrichtsmethoden spricht. Außerdem können sich die Schüler, die solche Bücher wirklich interessieren, außerhalb des Unterrichts bilden, ohne dass ihre Mitschüler darunter leiden.

Literaturkanon 3.jpg

Du siehst also, dass es wirklich schwierig ist über dieses Thema zu entscheiden. Aber wenn ich wirklich eine Wahl zwischen Pro und Contra Literaturkanon treffen müsste, würde ich die Pro-Seite wählen. Ich kann noch nicht einmal stichhaltig begründen, warum. Wahrscheinlich nur, weil ich eine Verfechterin der Literatur und der Bücher bin und weil ich finde, dass kein Werk jemals vergessen werden sollte.

Aber was ist deine Meinung zu diesem Thema? Ist es dir egal oder stehst du klar auf einer Seite?

Hier noch ein Interview mit Marcel Reich-Ranicki zum Thema. Dann eine schöne Woche und bis bald, deine

 

Angela ❤

2 Gedanken zu “Literaturkanon?

  1. Tabea sagt:

    Das Argument, dass kein Buch vergessen werden soll, ist ein wirklich schönes. Trotzdem finde ich, dass es schon so viele Bücher gibt, die ich wesentlich lieber lesen würde… Und die werden von den Lehrplänen ja auch nicht berücksichtigt.

    Ich bin also ganz klar gegen Pflichtlektüre, nicht zuletzt, weil ich mehr als 10 dieser „Klassiker“ auf dem Weg zum Abitur lesen musste – und bis auf eins auch alle komplett und meist zwei bis drei Mal gelesen habe, um durch die Klausur zu kommen. Bei mir scheitert das Verstandis für den Inhalt einfach an der Sprache und das Lesen macht keinen Spaß, was mir sogar die Lust auf alle anderen Bücher mehrmals genommen hat. Außerdem lese ich alte Sachen nicht gern, weil ich mir die Rechtschreibung und den Kram nicht unbewusst falsch angewöhnen mag.

    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

    1. Angela sagt:

      Ja das kann ich verstehen. Ich habe nicht so ein großes Problem mit alten Büchern, weil es da in meinen Augen auch wirklich gute gibt. Allerdings lese ich die meisten Lektüren nur weil ich es muss. Aber z.b. Maria Stuart von Schiller fand ich wirklich spannend weil mich die Geschichte dahinter also der Konflikt zwischen England und Schottland sehr interessiert.

      Gefällt 1 Person

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