Wilhelm Tell

Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt. – Wilhelm Tell (Friedrich Schiller)

Der Apfelschuss. Gerechtigkeit. Freiheitskämpfe. Das alles sind Schlagwörter, die das Stück von Friedrich Schiller sehr gut beschreiben. Wilhelm Tell.

Schweizer Alpen 1307 – Landvogt Gessler regiert über die Dorfgemeinden in den Alpen. Als er eines Tages seinen Hut an einem Pfahl aufhängen lässt und allen seinen Untertanen befiehlt, diesen zu grüßen und ihm die rechte Ehre zu erweisen, schließen mehrere Freiheitskämpfer aus den Dörfern Uri, Schwyz und Unterwalden einen Pakt. Sie versprechen, den Vogt zu töten, und wenn es das Letzte ist, was sie tun. Wilhelm Tell ist eigentlich nur ein einfacher Familienvater, der sich von der Politik und den Machtkämpfen fernhält, bis er bei einem Besuch im Nachbardorf auf Gessler trifft. Nachdem Tell sich weigert sich vor dem Hut zu verbeugen, droht der Landvogt, ihn und seinen Sohn umzubringen. Es gibt dabei nur eine Möglichkeit, wie er seinen Sohn retten kann: Tell gilt als Meisterschütze auf der Armbrust und seine Aufgabe ist es, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes auf hundert Fuß Entfernung abzuschießen. Wenn er sich weigert, sterben beide, wenn er daneben trifft ebenfalls und wenn er den Apfel trifft, kommt sein Sohn mit dem Leben davon und er selbst wird eingesperrt.

Das ist so ungefähr die Handlung des Stückes, das gerade im Passionstheater Oberammergau aufgeführt wird. Ich war mit meinen Eltern am vergangenen Freitag dort und muss sagen, dass ich wirklich begeistert von der Inszenierung bin. Nicht nur, dass alle Beteiligten Laien aus dem Ort sind. Der Regisseur Christian Stückl hat fast schon eine Neuauflage des alten Klassikers auf die Bühne gebracht.

Wilhelm Tell 2
© BR

Das Bühnenbild von Stefan Hageneier ist zwar einfach gehalten, aber trotzdem sehr authentisch. Es zeigt Häuser eines Ortes, die bis auf die Grundmauern abgebrannt sind. Überall liegt Schutt und Asche herum und alles ist in schwarz gehalten. Einfach, aber es zeigt den Grundgedanken des modernen Theaters: Minimales Bühnenbild, um nur auf die Schauspieler zu achten.

Die Kostüme (ebenfalls von Stefan Hageneier) sind im ersten Moment vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber im nächsten Augenblick versteht man dahinter die Intention von Stückl. Es sind verhältnismäßig moderne Kostüme, die eigentlich nicht zur Zeit des Stückes passen. Allerdings tragen auch die Soldaten eine modernere Uniform. Insgesamt erinnert die Kleidung stark an die Zeit des Nationalsozialismus. Und dorthin haben die Schauspieler und der Regisseur das Stück auch projiziert.

Es bleiben die alten Texte von Schiller, aber das Bühnenbild und die Kostüme sind (fast) neu. Dadurch kommt eine ganz andere Stimmung zustande. Man fasst die Grundaussage des Stückes ganz anders auf. Manche halten vielleicht nichts von unpassenden Kostümen, aber ich halte sie nicht für unpassend sondern ganz im Gegenteil, für absolut passend!

Insgesamt muss ich sagen, dass die Inszenierung der Oberammergauer mit Rochus Rückel in der Hauptrolle sehr gelungen ist und ich begeistert davon bin! Ich kann das Stück nur weiterempfehlen.

Bis bald, deine

 

Angela ❤

2 Gedanken zu “Wilhelm Tell

  1. Jacky sagt:

    Hallo! 🙂
    Das klingt wirklich nach einer sehr interessanten Inszenierung. Ich finde es immer sehr interessant, welche Gedanken sich manche Regisseure bei ihren Projekten machen und auch wie sehr man mit den Ursprungsgedanken spielen kann. Das Schauspiel in die NS-Zeit zu setzten, ändert ja beispielsweise auch einiges. Klingt sehr schön! 🙂

    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

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