„Ein Neger darf nicht neben mir sitzen“

Ein bisschen rassistisch. […] Gibt es das überhaupt? So ‚ein bisschen‘ rassistisch? Gibt es ‚ein bisschen‘ tot? ‚Ein bisschen‘ gebrochene Knochen?

David Mayonga aka Roger Rekless

Er ist in der bayerischen Provinz großgeworden und spricht Dialekt. David Mayonga sieht sich in erster Linie als Bayer. Dass er aber anders ist als alle anderen Kinder merkt er am ersten Tag im Kindergarten, als er auf einem freien Stuhl Platz nehmen will und hört: „Ein Neger darf nicht neben mir sitzen.“ Bis heute begleiten ihn rassistische Anfeindungen. Die Polizei durchsucht sein Auto, beim Einkaufen wird er mit „Was du wollen?“ begrüßt, Menschen wechseln die Straßenseite, wenn sie ihn sehen. In seinem Buch gibt der Musiker, Moderator und Pädagoge einen Einblick, wie es ist, nie richtig dazuzugehören. Er erklärt, warum wir Menschen solch eine Angst vor dem Fremden haben und warum es wichtig ist diese Angst genauer zu betrachten. Warum diskriminieren wir andere Menschen und was macht dies mit unseren Mitbürgern, die diesen Diskriminierungen ausgesetzt sind. Angereichert mit vielen persönlichen Erlebnissen ist das Buch eine Möglichkeit in die Erlebniswelt der „Anderen“ einzutreten und so mehr Sensibilität zu entwickeln. Es ist ein Appell gegen Angst, Vorverurteilung und für eine Gesellschaft, in der wir Menschen danach beurteilen, wer sie sind und nicht, wie sie aussehen.

Genau so ein Buch hat Deutschland gebraucht. Und dennoch wird es vermutlich wieder viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen und bald schon wieder vergessen sein. Denn es ist immer unangenehm, wenn einem die eigenen Fehler und Probleme wie mit einem Spiegel vorgehalten werden. Und genau das macht David Mayonga aka Roger Rekless mit seinem Buch, das eine Mischung aus Biografie, Kurzgeschichten-Sammlung, Essay-Band und Sachbuch ist.

Es geht darum, wie er als schwarzer Junge in Bayern aufgewachsen ist und was für Erfahrungen er schon in seinen frühen Kindertagen mit Rassismus gemacht hat. Man begleitet den Autor auf seinem Weg und erlebt, wie er die Musik als Möglichkeit gefunden hat, sich nicht „anders“ zu fühlen.

Gleichzeitig lässt er viele wissenschaftliche Studien zum Thema Rassismus einfließen, welche helfen, zu verstehen, warum es Fremdenhass überhaupt gibt.

Im Prolog wird man sofort ins kalte Wasser geworfen, als er erzählt, wie er in München an einem AfD-Infostammtisch teilnimmt. Das ist etwas, das nicht einmal ich als „weiße Deutsche“ erleben möchte, aber er begibt sich damit direkt in die Höhle der Löwen. Als hätte er eine Zielscheibe auf der Stirn.

Selbst beschreibt er die Erfahrung als physisch und psychisch aufreibend, auch wenn er nur sehr wenig persönlich angegangen wurde an diesem Abend. Aber allein die abstrusen Anschuldigungen und die hirnlose Argumentation zu hören, macht jede normal denkende Person fertig.

Was ich persönlich besonders erschreckend fand, waren die Ausführungen über Polizei-Kontrollen (denen er zuhauf unterzogen wurde) und vor allem die alltagsrassistischen Aussagen, über die die meisten Menschen gar nicht nachdenken.

In den nächsten Tagen wird noch ein Interview mit einem Mädchen mit türkischen Wurzeln online kommen. Auch sie erlebt vor allem Alltagsrassismus in Deutschland und was sie mir da schon erzählt hat, lässt mich schockiert zurück. Sie kommt in Situationen, die ich so nie für möglich gehalten hätte. Ich hätte nie gedacht, dass Menschen, wildfremde Menschen in Deutschland, so agieren. Und genau von solchen Dingen erzählt auch David Mayonga in seinem Buch.

Auf den Autor und Musiker aufmerksam geworden bin ich durch eine Lesung, die er im Sommer bei uns an der Schule gegeben hat. Ich war selbst leider nicht da, aber meine Freunde haben mir davon erzählt und kurz darauf war ich mit einer Freundin in einer Buchhandlung, weil sie das Buch kaufen wollte, woraufhin ich mich entschied, es ebenfalls zu kaufen. Und das bereue ich absolut nicht.

Ich will mich allerdings nicht allzusehr in Einzelheiten über den Inhalt verlieren, weil ich will, dass jeder selbst das Buch liest und seine eigenen Schlüsse daraus zieht. Auch ich bin nachdenklich geworden beim Lesen. Ich habe mich schon immer viel mit Rassismus auseinandergesetzt und dagegen angekämpft, aber auch mir passiert es hin und wieder, dass ich einfach Vorurteile gegenüber manchen Menschen hege.

Und das nochmal vor Augen geführt zu bekommen, hat mich etwas wachgerüttelt und mir gezeigt, dass ich nicht nur meine eigene Einstellung ändern muss. Ich darf auch nicht nur über Rassismus und wie schlimm dieser doch ist schreiben, ich muss selbst aktiv werden und etwas dagegen tun. Einfach mal aufstehen und etwas sagen, wenn wieder irgendwo eine latent rassistische Bemerkung fallengelassen wird.

Ich möchte dir dieses Buch sehr ans Herz legen, weil es unglaublich wichtig ist, dass wir alle etwas gegen Rassismus tun!

Alles auf einen Blick:

  • Titel: „Ein Neger darf nicht neben mir sitzen“
  • Autoren: David Mayonga aka Roger Rekless mit Nils Frenzel
  • Verlag: KomplettMedia
  • Seitenzahl: 276 Seiten
Rating

Viel Spaß beim Lesen und bis bald, deine

Angela ❤

Bilderquellen: privat, unsplash.com, Pixabay, pexels.com

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