„Es geht immer ein Stückchen mehr…“ – Ein Interview

Wie schon in der Rezension von „Ein Neger darf nicht neben mir sitzen“ von David Mayonga angesprochen, habe ich ein Interview mit einer guten Freundin von mir zum Thema Rassismus geführt. Es geht um ihre persönlichen Erlebnisse, aber auch um allgemeine Dinge zum Thema Rassismus und Fremdenhass, die leider immer noch eine große Rolle in unserer Welt spielen und vor denen niemand geschützt ist.

Du hast das Buch von David Mayonga ja auch, zumindest teilweise, gelesen und warst bei der Lesung bei uns an der Schule. Gibt es eine Story von David, bei der du dachtest: „Ja, genau das ist mir auch schon passiert.“?

Zum Glück hab ich keine Erfahrungen gemacht, wo jemand handgreiflich mir gegenüber geworden ist, also mich irgendwie geschlagen oder geschubst hat. Wie z.B. als David mit seinen zwei Freunden vor den Nazis geflüchtet ist, sowas hab ich nicht erfahren, bis jetzt noch nicht und ich hoffe, dass ich es nie erfahren werde. Aber was mir genau so passiert ist, sind diese flüchtigen Bemerkungen, diese verdeckten rassistischen Bemerkungen, wie diese Aussage „du kannst ja gut Deutsch“.

Wtf?! Was ist das bitte für eine Bemerkung? Was für Deutsch sollte ich denn sonst können, sollte ich kein gutes Deutsch sprechen? Das passiert meistens, wenn ich mit Leuten erstmal ins Gespräch komme. Dann schauen die mich an und sagen dann: „Du kannst aber gut Deutsch sprechen. Wo hast du denn so gut Deutsch sprechen gelernt?“ Das sind so Sachen, wo ich mir denke: „Hallo? Warum sollte ich kein gutes Deutsch sprechen können?“ Da fragt man sich wirklich, ob das jetzt ein Kompliment ist oder eine rassistische „Beleidigung“. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich fließend Deutsch spreche, so wie du auch, weil in gewisser Weise ist das auch meine Muttersprache, auch wenn das oft nicht so anerkannt wird. Was ich auch erlebt habe, sind eher so offensichtlichere Dinge, wie Beleidigungen. Z.B. hat ein Typ mal, als ich ihn gebeten habe, mich und meine Freundin in Ruhe zu lassen, weil er uns sehr nahe gekommen ist und uns belästigt hat, gesagt: „Kruzetürkin, kannst dahin zurückgehen, wo du hergekommen bist.“ Das sind so Dinge, die ich ähnlich wie David erlebt habe.

Wie viel Erfahrung mit Rassismus hast du schon in deiner frühen Kindheit, also im Kindergarten und in der Grundschule gemacht?

Nichts so Offensichtliches wie bei David, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Es waren eher weniger offensichtliche Dinge, die nicht automatisch für jeden erkennbar sind und die die meisten als ganz normale Bemerkung sehen würden. Was für mich aber rassistisch ist, weil es bei mir anders ankommt. Das waren oft so kleine Dinge, die mir gezeigt haben, dass ich anders bin und deswegen auch anders behandelt werden muss.

Was ich schon früh mitbekommen habe und auch bis heute noch höre, ist: „Warum trägst du kein Kopftuch?“ Das ist eine normale Frage und es ist nicht schlimm, wenn mich jemand mit ernstem Interesse an meiner Religion das fragt. Aber es ist einfach oft so, dass mich Leute, die ich neu kennen lerne, aus dem Nichts so etwas fragen. Bei mir kommt dann der Hintergedanke, dass ich mich dafür rechtfertigen muss, warum ich mich in meiner Freiheit nicht einschränken lasse.

Eine andere Sache ist die Frage: „Woher kommst du?“ Das ist auch eine völlig legitime Frage, aber nur unter der Bedingung, dass die Person meine Antwort dann auch akzeptiert. Irgendwann ist man bei dieser Frage so verunsichert, dass man gar nicht mehr weiß, was man antworten soll. Wenn mich jetzt jemand fragen würde, würde ich sagen: „Aus Bayern.“, weil das für mich normal ist. Die meisten Menschen akzeptieren diese Antwort aber nicht. Da wird dann immer diese Frage hinterhergeschoben: „Nein, ich meine, woher du wirklich kommst?“ Und ich gebe wieder dieselbe Antwort und bekomme wieder dieselbe Gegenfrage: „Nein, woher du wirklich kommst. Weil du hast ja so… Migrationshintergrund. Du bist ja Ausländerin, du bist ja keine Deutsche. Egal, woher kommen deine Eltern?“ Toll. Was soll ich darauf antworten? Ja, meine Eltern kommen aus der Türkei. Es ist trotzdem bescheuert. Denn dann haben die Personen mich genau an dem Punkt, an dem sie jemanden haben wollen, wenn sie jemanden, fragen „Woher kommst du?“. Dann haben sie ihre Antwort und sind glücklich. Und ich bin stinksauer. Denn meine Antwort wurde nicht akzeptiert. Was ich früher auch oft gefragt wurde, vor allem in der Grundschule: „Seid ihr zuhause gleichberechtigt als Frauen?“ Das sind einfach unnötige Fragen. Unser Haushalt ist ein normaler Haushalt wie bei allen anderen auch.

Wie gehst du persönlich mit rassistischen Bemerkungen und Anfeindungen um?

Ich persönlich bin charakterlich ein Mensch, der für Gerechtigkeit steht und auch dafür kämpft. Es tut mir selber weh (natürlich auch wenn ich selbst ungerecht behandelt werde), wenn ich sehe, wie andere ungerecht behandelt werden. Ich hasse so etwas! Rassistische Bemerkungen oder sogar Anfeindungen berühren bei mir einfach einen wunden Punkt. Deswegen bin ich da schon etwas empfindlich. Wie ich letztlich wirklich damit umgehe, kommt auf die Situation drauf an. Ich versuche oft, Konflikten aus dem Weg zu gehen. Ich hab jetzt nicht unbedingt Bock, mit jemandem zum Schlägern anzufangen. Und es gibt viele Menschen, die zu schlägern anfangen würden, dafür, dass ich meinen Mund aufmache und etwas gegen sie sage. Das passt einfach nicht in deren Weltbild rein.

Deswegen versuche ich oft, Dinge zu überhören, zu ignorieren. Wobei ich das auch hasse, weil ich finde es nicht okay, dass ich das ignorieren muss, nur weil ich Angst habe, dass ich danach eins auf die Schnauze bekomme. Es ist alles andere als okay, dass jemand zu mir herkommt und eine rassistische Bemerkung äußert. Eine rasstische Bemerkung ist nichts anderes als eine Beleidigung. Und niemand von uns akzeptiert Beleidigungen. Deswegen versuche ich, ruhig zu bleiben, das ist ganz wichtig. Auch weil man sonst nicht ernst genommen wird. Ich versuche ruhig zu bleiben und der Person klar zu machen, dass das was sie tut, wie sie sich verhält, nicht okay ist und dass ich das nicht akzeptieren werde.

Mir ist auch schon passiert, dass ich mich extrem aufgeregt habe, wenn jemand das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Aber: Was soll ich denn machen? Soll ich der Person eine runterhauen? Das kann ich nicht machen, denn dann wäre ich genauso dumm wie diese andere Person. Ich versuche meistens, einen Mittelweg zu finden, wo ich mich nicht selbst dumm verhalte, aber der Person trotzdem klar mache, dass das nicht okay ist und dass sie das gefälligst lassen soll. Wenn wir schon dabei sind: Ich kann nicht nur auf mich persönlich eingehen, sondern muss auch auf meine Mitmenschen eingehen. Wir sind eine Gemeinschaft, eine Gesellschaft, wir leben alle zusammen hier auf diesem Planeten. Und wir haben wirklich weitaus größere Probleme, als uns damit rumzuschlagen, dass uns manche Menschen fremd sind, nur weil sie aus einem anderen Land kommen. Und deswegen sollten wir alle zusammenhalten. Und das fängt hier schon an: Wenn ich sehe, dass eine Person auf der Straße rassistisch angegangen wird, dann helfe ich dieser Person. Ich zeige dieser Person und auch der anderen, die die Bemerkung gemacht hat, dass das „Opfer“ nicht allein ist.

Stichwort Alltagsrassismus: Wie sehr treffen dich alltagsrassistische Bemerkungen z.B. in unserem Freundeskreis?

Es kommt auf die Situation drauf an. Es gibt Bemerkungen, da lache ich selbst drüber und es gibt Bemerkungen, wo ich sage, es trifft mich schon. Und ich würde sagen, dass diese Bemerkungen (also die, die mich treffen) in der Überzahl sind. Es ist einfach etwas, was tiefe Wunden aufreißen kann und oft auch aufreißt. Wo viele sagen würden: „Jetzt ehrlich, hab dich mal nicht so.“ Wo ich mir denke: „Was willst du mir damit sagen?“ Da kann man das nicht sagen.

Es ist etwas, was jemanden verletzt und was jemanden verletzt, ist individuell. Und deswegen treffen mich alltagsrassistische Bemerkungen oft stark. Es gibt einem wieder das Gefühl, dass man irgendwie anders ist. Oft denkt man sich: „Wieso wurde dieser Witz jetzt über mich gemacht und nicht über andere?“ Und dann denkt man darüber nach und merkt: „Achja, stimmt. Weil ich ja die Türkin bin. Weil ich ja anders bin. Und weil man mir ja ansieht, dass ich anders bin.“

Bei einem Franzosen, einem Schweizer, einem Österreicher, würde man das nicht machen, weil die Personen genauso aussehen wie wir. Schweizer und Österreicher sprechen Deutsch. Wieso sollte man das machen? Das zählt ja nicht als Ausland. So ist es eben nicht. Das sind auch Ausländer. Aber mir sieht man an, dass ich Türkin bin und dass ich schwarze Haare, dass ich dunkle Augen, dass ich eine dunklere Haut habe. Das sieht man. Deswegen bin ich anders und deswegen verhalten sich Menschen anders mir gegenüber.

Und das erinnert mich an Dinge, die ich früher erlebt habe, dass ich immer anders behandelt wurde. Und Dinge, die man als Kind erlebt hat, treffen einen bis heute noch. Deswegen ist es schon verletzend. Wenn jemand in unserem Freundeskreis so einen Witz macht, belasse ich es oft dabei, aber es trifft mich. Bei dem Thema möchte ich noch sagen: Was das Thema Alltagsrassismus angeht soll man bitte aufpassen. Da spreche ich bestimmt für sehr viele. Achtet auf die Ausdrucksweise. Alltagsrassismus kann sehr verletzend sein, ist oft auch sehr verletzend und sehr leicht vermeidbar. Irgendwann wird das leider zur Normalität, und dann stecken wir richtig tief in der Scheiße.

Im Buch beschreibt David, wie auch er merkt, dass er zeitweise Vorurteile gegenüber anderen ethnischen Gruppen hatte. Bemerkst du das bei dir selbst auch und wenn ja, was sind das für Vorurteile?

Ich merke das auch, gebe ich ganz ehrlich zu, ich habe auch Vorurteile. Das tut mir auch mega Leid, immer wenn ich merke, dass ich irgendwie Vorurteile hab. Immer wenn ich das merke, dann versuche ich mir das aus dem Kopf zu schlagen, weil ich mir denke: „Bist du dumm? Du machst genau das, was andere dir gegenüber machen.“ Aber leider, leider, ist das tief im Kopf drin. Z.B. auf einer Party, wenn ein „Ausländer“ anfängt einen anzutanzen, dann ist das direkt komisch. Klar, bei einem Deutschen ist das auch seltsam. Aber wenn ein Ausländer einen blöden Spruch bringt oder ein Gespräch anfängt dann denkt man sich schnell: „Wtf?!“ Was eigentlich richtig dumm ist, weil der ist auch nur ein Mensch. Klar gibt es gute und böse Menschen, aber das gibt es in jeder Gruppe, das gibt es in jedem Land. Aber leider (dahinter stehe ich) sind die Medien daran Schuld, da sind wir geschändet von den Medien. Da wird immer wieder betont, dass die „Ausländer“ so böse wären. Es wird uns von klein auf eingetrichtert, dass z.B. Asylanten böse sind. Was vollkommen falsch ist. Es stimmt einfach nicht. Es gibt böse Menschen überall. Vor allem denke ich mir immer: „Du kennst selbst das Gefühl, wenn jemand so zu dir ist. Dann mach es doch selbst nicht.“

Du siehst dich selbst ja sowohl als Deutsche als auch als Türkin, sagst aber oft selbst, dass du in keinem der Länder wirklich als Landsfrau akzeptiert bist. Wo merkst du das am meisten bzw. in welchen Situationen?

Ich kann und werde mich nicht entscheiden, weil ich beides bin. Warum kann ich auch nicht beides sein? Ich bin genauso türkisch wie ich deutsch bin und genauso deutsch wie ich türkisch bin. Das ist beides in mir und ich liebe beide Länder. Warum auch nicht? Aber leider bin ich in Deutschland die Deutsch-Türkin, „Papier-Deutsche“ wird auch oft gesagt, weil ich einen deutschen Ausweis habe. In der Türkei bin ich die Deutsche. Da heißt es immer: „Du bist keine echte Türkin, du kommst aus Deutschland. Du bist halt eine Türkin aus Deutschland.“

Merkst du was? In Deutschland bin ich die türkische Deutsche und in der Türkei die deutsche Türkin. Ich merke das oft in Situationen, wenn mich Menschen fragen, wo ich herkomme und meine Antwort dann nicht akzeptiert wird. Wenn Menschen meinen mir sagen zu müssen, wo ich herkomme, dass ich keine Deutsche / Türkin bin.

Wo ich das auch gemerkt habe, war, als ich meine Bewerbung geschrieben habe. Bei dem Block Sprachkenntnisse habe ich erst hingeschrieben: Deutsch, Türkisch, Englisch, Französisch. Englisch und Französisch: Sprachniveau C1. Türkisch: Muttersprache. Dann kam Deutsch… Ich hab die Klammer hinter Deutsch aufgemacht und wusste nicht, was ich dahinter schreiben soll. Ich kann kein Sprachniveau angeben, weil ich fließend spreche, es ist ja meine „Muttersprache“? Aber es wird mir nicht als Muttersprache anerkannt. Weil ich bin ja die Deutsch-Türkin. Da kann Deutsch ja gar nicht meine Muttersprache sein. Aber was gebe ich dann als Sprachniveau an?

Ich saß da wirklich sehr lange dran und habe überlegt. Kann ich denn eigentlich zwei Muttersprachen haben? Meine Eltern sind ja beide Türken. Also ist Türkisch ja meine Muttersprache. Aber was schreibe ich dann bei Deutsch hin? Das ist ja auch meine Muttersprache, ich bin ja hier geboren, ich bin ja hier aufgewachsen, ich bin ja hier zur Schule gegangen, ich hab ja hier mein Abi gemacht und ich habe deutsche Freunde und ich fühle mich deutsch. Aber ich bin ja die Türkin. Da war ich bei der gleichen Situation wie bei der Frage: „Woher kommst du?“, weil von mir verlangt wird, dass ich mich für etwas entscheide, für eine Sache entscheide. Ich entscheide mich für beides, ich entscheide mich dafür, dass beide Sprachen meine Muttersprachen sind. Aber das wird nicht akzeptiert.

Als 18-Jährige, die ihr Abitur gemacht hat und gerade eine Bewerbung schreibt, bin ich dann zu meinem Papa gerannt und hab ihn gefragt: „Papa, was schreib ich denn da hin?“ Und mein Papa war auch komplett überfordert und wusste nicht, was ich da hinschreiben soll. Und das ist das, womit ich immer wieder konfrontiert werde. Dass ich immer wieder nochmal überlegen muss: „Was denken die anderen? Wie denken die anderen? Wird das von den anderen akzeptiert?“ Ich muss immer doppelt denken. Und das ist einfach scheiße!

Was denkst du, ist der Grund für Rassismus in unserer Welt?

Schwer zu sagen. Ich denke, dass es sehr früh schon in der Erziehung anfängt. Denn, was man als Kind lernt, prägt einen. Und es ist schwierig, Menschen, die mit rassistischen Vorurteilen aufgewachsen sind, diese Vorurteile wieder aus dem Hirn zu schlagen. Weil es einfach im Kopf drin ist, wie bei (fast) jedem von uns. Ich denke, dass es daran liegt, dass der Mensch einfach Angst vor dem Unbekannten hat. Für den Menschen sind unbekannte Dinge einfach gefährlich. Die Menschen wissen nicht, wie sie mit dieser Angst umgehen sollen und deswegen reimen sie sich Dinge zusammen. Sie wollen sich, ihre Kinder, ihre Familien schützen und deswegen erzählen sie ihren Kindern, dass diese Menschen anders sind, dass diese Menschen nicht dazugehören. Ich glaube, dass ist einer der Punkte. Ein weiterer Punkt, warum Rassismus heute noch bei uns existiert, ist, dass Menschen (obwohl wir alle aufgeklärt sind) diese Vorurteile eingetrichtert werden und dass wir diese nicht mehr rausbekommen. Diese unterbewusste Angst vor dem Unbekannten ist immer noch in den Menschen verankert. Ein anderer Grund dafür ist auch, dass Rassismus einfach akzeptiert wird, weil niemand etwas dagegen macht. Dadurch wird das zur Normalität.

Wie kann man deiner Meinung nach Rassismus bekämpfen?

Meiner Meinung nach geht das nur, wenn wir alle zusammenhalten und uns gegenseitig helfen. Und Aufklärung. Aufklärung ist ein so wichtiges Thema. Und ich weiß, es hängt so vielen Schülern (mir auch) schon zum Hals raus. Aber es ist genauso wie der Satz von den Eltern, den man jahrelang immer wieder gehört hat: „Bitte pass auf dich auf, schau rechts und links.“ Heute ist es bei uns: „Fahr vorsichtig, fahr vorsichtig!“ Wenn man so etwas hundertmal hört, dann bleibt das auch hängen, auch wenn es schon zum Hals raushängt. Aufklärung ist meiner Meinung nach einer der wichtigsten Punkte um Rassismus zu bekämpfen. Und Zusammenhalt. Dass man einfach nicht wegschaut, sondern etwas gegen Rassismus tut. Und natürlich verschiedene Projekte, die auch schon existieren, wie z.B. „Schule mit Courage – Schule ohne Rassismus“, das sind sehr wichtige Dinge. Aber man darf nie vergessen, dass nur weil man ein „Schule mit Courage“-Schild an der Schule hängen hat, diese Schule auch rassismusfrei ist, das stimmt nicht. Man muss immer, immer, immer wieder dagegen ankämpfen und immer, immer, immer wieder den Kindern sagen, dass Rassismus nicht gut ist, dass Rassismus falsch ist.

Sollten Politiker deiner Meinung nach mehr gegen Rassismus oder die rechte Szene machen?

Man kann nie genug etwas dagegen machen, was einem anderen schadet. Natürlich, man sollte immer, nicht nur Politiker, dagegen ankämpfen. Es geht immer noch ein Stückchen mehr. Poltiker, aber auch alle anderen Menschen sollten etwas gegen Rassismus tun.

Was wünschst du dir persönlich für die Zukunft unseres Landes, unserer Erde und ganz spezifisch für deine eigene Zukunft?

Was ich für unser Land wünsche, ist, dass wir auf jeden Fall unseren Fortschritt, was Rassismus angeht, beibehalten. Aber, dass wir nicht darauf beharren und denken, dass es vorbei ist, sondern dass wir immer weitermachen. Und uns auf jeden Fall nicht zurückentwickeln. Das wünsche ich natürlich nicht nur für unser Land, sondern eher für unsere Erde. Wir leben alle zusammen auf dieser Erde, Deutschland als Land ist nicht abgeschottet. Wir teilen uns alle dieselbe Luft, dasselbe Meer, denselben Boden, dieselben gesellschaftlichen Regeln, oft dasselbe Geld, dieselben Wirtschaftssysteme… Eigentlich alles. Alleine würde das nicht funktionieren. Deswegen ist mein Wunsch für die ganze Erde, dass wir als eine Menschenbevölkerung zusammenhalten und uns unterstützen und helfen. Das würde by the way auch viele Kriege vermeiden und zu einer besseren Umweltpolitik führen.

Wir müssen uns alle bewusst sein, was wir sagen, wie wir es sagen, viele Dinge enden im Tonfall. Das kann auch schon sehr viel verändern. Wenn wir aktiv aufpassen, kann passiv nichts passieren. Aber wenn wir dem Ganzen einfach freien Lauf lassen und denken: „Ja, passt schon irgendwie.“, dann wird das im Chaos ende. Und dann wird das für uns zur Normalität werden, jemanden auf der Straße zu beleidigen, nur weil er dunkle Haare hat. Das wird für uns normal werden und das dürfen wir nicht zulassen.

Und wir dürfen auch nicht auf der faulen Haut liegen und sagen: „Ahja, das mit dem Nazi-Zeug, mit Deutschland, das war alles schon, das ist alles schon vorbei.“ Nein! Das ist nicht so. Rassismus hat einen Wandel durchlebt, wie so ungefähr alles in unserem Leben sich wandelt. Und wir müssen aufpassen, dass dieser sich wandelnde Rassismus sich nicht zu sehr einschleicht in unser Leben und die Dinge kaputt macht, die wir aufgebaut haben. Mit Mühe aufgebaut haben. Die nicht nur wir aufgebaut haben, sondern die auch unsere Eltern aufgebaut haben. Und wenn wir jetzt diese ganzen Generationen durchspielen: Viele Omas und Opas von uns denken bei diesem Thema wieder ganz anders, unsere Eltern denken wieder ganz anders und wir denken komplett anders. Deswegen: Fortschritt beibehalten, Fortschritt weiter betreiben!

Bilderquellen: Pixabay, Pexels, Unsplash

Werbeanzeigen

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wer stehenbleibt, das sagt schon die rote Königin, fällt zurück, also kann man sich nie auf einem erreichten Stand ausruhen. Schon gar nicht bei diesem Thema, bei dem der tatsächliche Eindruck ist, wir fallen zurück. Allerdings wird es einem auch schwer gemacht: natürlich frage ich jemanden im Gespräch, wo er herkommt, ob aus Nürnberg (Franke, Land leckeren Essens und Bieres) oder Augsburg (Schwaben) und natürlich gibt es Unterschiede. Wenn aber z.B. ein schwarzer Mann deshalb gleich beleidigt ist (was noch nie jemand auf die Frage geäußert hat, die meisten reagieren eher erfreut, wenn man sich für ihre Herkunft interessiert) fällt es mir irgendwann schwer, mich zu unterhalten. Und wenn er z.B. sagen würde, Gambia, und er spräche gutes Deutsch, dann würde ich das auch für erwähnenswert halten (diese Begegnung hatte ich übrigens schon). Übrigens, die Sprachen vorher in dem Text, überall C1 – wow, ziemlich sprachbegabt diese Freundin, hm?
    Das gilt nun leider nicht für viele, mich eingeschlossen, und eben auch nicht eben für viele Türken, die trotz langjährigen Aufenthalten hier, ja, trotz (oder wegen? Manchmal fragt man sich das ja) Schulbesuch hier ein miserables Deutsch sprechen und auch kein Interesse an einer Veränderung zeigen – und es sind nicht mal alles graue Wölfe. Was übrigens überhaupt nicht heißt, dass ihre Klassenkameraden, deren Migrationshintergrund vielleicht schon mehrere Generationen zurückliegt, vielleicht schon Jahrhunderte, deshalb unbedingt ein besseres Deutsch beherrschen. (Hierzu vielleicht G. Kreisler in der Vorrede zu seinem Lied über den mißratenen Sohn einer jüdischen Familie („er is a General“) und die Vorurteile „weil sie nur mangelhaftes Deutsch beherrschen“: „wie das ja auch bei manchen Deutschten vorkommen soll“). Ja, dazu vielleicht noch und zu dem erwähnten Dialektfluch: ich habe das noch nie in der Einzahl gehört (Kruzitürkin), sondern nur immer als allgemeines Kruzitürken. Verständlich, dass man den Ausdruck als Abkömmling eines Turkvolkes nicht unbedingt gerne hört, aber personalisiert kenne ich das wirklich nicht! Übrigens hört’s auch der Pfarrer nicht gern, denn wie gesagt, es ist ein Fluch, also etwas, das man nicht aussprechen sollte.
    Zurück: die meisten Ausländer sind nett und freundlich (Gegenbeispiele sind schnell zu finden, man muß z.B. nur in die Fußgängerzone von München und die Einkaufsrudel beobachten). Die meisten Inländer (in dem Fall Deutsche) sind meistens nicht direkt unhöflich. Die meisten Menschen mit Migrationshintergrund, die also aus dem Ausland kamen oder zumindest deren Eltern, sind ebenfalls meistens ganz freundlich, manche freilich haben sich schon gut integriert und können unhöflich. Bisher war’s jedesmal so, dass ich nach jedem Auslandsaufenthalt, dazu reicht Italien oder so, dachte: boah, sind die Leute hierzulande unfreundlich. Wieso eigentlich? Weil sie einem nicht, wie der geschäftstüchtige Italiener, etwas verkaufen wollen? Ja Unsinn, genau das wollen sie doch! Ständig.
    Wobei ich gerne zugebe, dass ich im engeren Umkreis überwiegend überraschend höfliche, zuvorkommende Menschen kenne. Egal mit welchem Vorder- oder Hintergrund. Was haben wir denn da alles, ohne verflossene Generationen bemühen zu müssen? Griechen und Araber und Russen (ja, klar, „Rußlanddeutsche“ – was aber im Kontext der Deutsch – Türkin oder umgekehrt noch weniger sinnreich klingt), Jugoslawen (tut mir leid, ich kann sie nicht auseinanderhalten, woher soll ich nach dem Augenschein auch nur ahnen, ob aus Serbien, Kroatien, Bosnien oder woher sonst?). Vorurteile? Hab ich. Klare Sache. Zum Beispiel über bestimmte deutsche Stämme! Und das Witzigste ist, dass sich bestimmte Vorurteile gerne auch mal bestätigen. Die weniger guten wie die eher positiven. Meist nimmts der Preuße sehr genau (außer die deutsche Grammatik, etwa die Unterscheidung von mir und mich). Meist nimmts der Rheinländer eher ein bißchen lockerer und legt gesteigerten Wert auf bestimmte Rahmenbedingungen (Hauptsach, guat gess‘ sagt der Saarländer dazu). Und so weiter. Gibt es fakirhaft enthaltsame Rheinländer, schlampige Preußen? Auch nicht schwindelfreie Österreicher, nicht seetüchtige Küstenbewohner? O ja! Sind sie fast zwangsläufig Ausnahmen? Auch das.
    Ich brauch für diese Art Vorurteile nicht mal Menschen aus irgend einem Ausland, wie man sieht. Schon deshalb, weil ich mich logischerweise dort noch weniger auskenne, und die Unterschiede zwischen Massai und Wakamba, Hutsi und Tutsi, Singhalesen und Tamilen einfach nur maximal aus der Zeitung kenne und da überhaupt nicht mitreden kann. Aber natürlich gibt es da Unterschiede der traditionellen Lebensweisen. Und deshalb auch gelernte Unterschiede, Unterschiede der Werte, Unterschiede der Sprachen und so weiter.
    Was gut ist. Solange die Massai nicht mal wieder Vieh rauben (da es ja schließlich gemäß ihrer Religion eh ihnen gehört) oder andere Gründe vorliegen, wieder mal aufeinander loszugehen. Wie schaffen wir das denn, dass die Menschen ihre Unterschiede durchaus sehen und leben können, aber es sich abgewöhnen, deshalb regelmäßig aufeinander einzudreschen?

    Liken

    1. Angela sagt:

      Ich finde den Ansatz in deiner Aussage gut, allerdings verstehe ich manche Ausführungen deinerseits nicht ganz.
      Wir sagen ja nicht, dass die Frage nach der Herkunft falsch wäre. Es ist nur falsch, wenn die Antwort nicht akzeptiert wird. Wenn sich jemand ernsthaft für die ethnischen Wurzeln eines anderen interessiert, muss er seine Frage dementsprechend stellen. Allerdings wollen die meisten Menschen, die einen anderen nach der Herkunft fragen, diesen nur in eine Schublade stecken, sodass ihr Weltbild weiterhin komplett bleibt.
      Und es geht auch darum, dass diese Fragen und Aussagen (wie die der guten Sprachkenntnisse) oft plötzlich aus dem Nichts gestellt werden. Von Menschen, die einen noch nicht einmal nach dem Job oder der Familie gefragt haben, die einen gerade erst kennenlernen wollen und dafür ihr Schubladendenken brauchen.
      Und ja, es gibt unfreundliche/kriminelle „Ausländer“, aber es gibt diese genauso gut unter den Deutschen. Das ist menschlich, da spielt die Herkunft absolut keine Rolle.
      Was die Sprachkenntnisse angeht: Ich möchte so manchen Deutschen einmal in einem anderen Land leben sehen. Deutsch ist eine unglaublich schwere Sprache und bei vielen „Menschen mit Migrationshintergrund“ (ich mag diesen Ausdruck nicht) kommen die Eltern aus einem anderen Land und mussten im Erwachsenenalter (wo man erwiesenermaßen viel schlechter Sprachen lernen kann) Deutsch lernen. Wenn dann also die Kinder in einem Haushalt aufwachsen, in dem der Einfachheit und der Verständigung wegen die Muttersprache der Eltern gesprochen wird, ist es kein Wunder, dass die Kinder eventuell nicht dermaßen fließend Deutsch sprechen, wie Kinder von deutschen Eltern. Aber das wäre in jedem anderen Land mit jeder anderen Sprache genau so.
      Vielleicht habe ich dich falsch verstanden, aber du hast vieles aufgegriffen, was meine Freundin schon entkräftet hat.

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s