Lass später nochmal die Erde retten

Das ist eine Kurzgeschichte, die ich für den Schreibwettbewerb der PULS Lesereihe geschrieben habe unter dem Motto „Lass später nochmal…“. Gestern habe ich die Nachricht bekommen, dass ich leider nicht unter den besten 15 bin, deshalb lade ich den Text hier hoch.

Und Gott sprach zu ihnen: „Seid fruchtbar und vermehrt euch, überbevölkert die Erde, unterwerft sie euch und tötet die Fische des Meeres mit eurem Plastik, schießt die Vögel vom Himmel, und züchtet, mästet, tötet und esst alle Tiere, die sich auf dem Land regen.“ Dann sprach Gott: „Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten, sodass ihr sie umbringen könnt, auch wenn sie für euch überlebenswichtig sind. Euch sollen sie solange sie noch da sind zur Nahrung dienen. Allen Tieren des Feldes, allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, was noch Lebensatem in sich hat, gebt Antibiotika, Pestizide und andere Chemikalien.“ So geschah es. Gott sah alles an, was er gemacht hatte. Es war sehr gut.

Und die Menschen nahmen ihren Gott beim Wort. Sie zerstörten die Erde so gut sie es konnten und dachten in keinster Weise an nachfolgende Generationen. Gott gefiel alles, was er sah. Er gab ihnen immer wieder neue Möglichkeiten, die Erde so gut es ging auszubeuten und immer wieder neue Erfindungen, um die Atmosphäre und die Ozonschicht zu zerstören.

Doch dann geschah etwas, mit dem Gott nicht gerechnet hatte. Im dritten Jahrtausend des Herrn kam eine Generation auf die Welt, die nicht an Gott glaubte. Eine Generation, die nicht von Gott erschaffen wurde. Eine Generation, die, so vermutete Gott, direkt aus der Hölle kommen musste. Von Lucifer erschaffen, um ihn zu stürzen, die Welt auf den Kopf zu stellen und sie damit zu retten.

Anfangs schien alles noch in Ordnung. Gott wusste zwar nicht genau, woher diese Menschen kamen, beobachtete sie aber erst einmal ohne einzugreifen. Sie wuchsen heran und nahmen vorerst die Werte und Ansichten ihrer von Gott geschaffenen Eltern an. Doch dann wurden sie älter, kamen in die Schule und die Pubertät. Dort wurde ihnen beigebracht, was Gott den Menschen aufgetragen hatte. Und sie entwickelten eigenständige Meinungen über das Gelehrte.

Zu Beginn konnten ihre Lehrmeister ihre Zweifel noch untergraben und ihre Argumente entkräften. Doch schon bald merkten sowohl die Lehrer, als auch die Eltern und natürlich Gott, dass sie die Kinder nicht mit bloßen Argumenten und bloßer Vernunft davon abhalten konnten, Lucifers Wunsch zu erfüllen.

Besonderes Augenmerk legte Gott auf ein Mädchen in Schweden. Es hetzte andere ihrer Generation, aber auch ältere, gläubige, von Gott geschaffene Menschen gegen sein Vorhaben auf. Gott erkannte, dass er etwas gegen diesen Menschen und dessen gesamte Generation tun musste. Er musste sie alle wieder zurück zu Lucifer in die Hölle schicken. Doch das verlangte seine gesamte Kraft.

Gott nahm seine Engel zur Hilfe. Er schickte sie in Menschengestalt auf die Erde, um Gegenveranstaltungen zu den Hetzaktionen der Kinder zu organisieren. Sie sollten sich auch im Internet, vor allem in den sozialen Netzwerken gegen die Hetzer gruppieren, um ihnen zu zeigen, dass sie keine Chance hatten und in der Minderheit waren.

Zuerst hielt Gott die Generation damit klein und war stolz auf seine Engel. So musste er nur noch überlegen, wie er die Ungläubigen zurück in die Hölle verbannte. Doch er hatte nicht mit seinem ehemaligen Diener Lucifer, dem gefallenen Engel und Herrscher der Hölle gerechnet. Dieser hegte noch Hoffnung für die Erde und schickte immer mehr Menschen, um die göttlichen Engel zu bezwingen. Ebenso wandte er Täuschung bei den Gläubigen auf der Welt an, um sie von seinem Vorhaben zu überzeugen.

So wurden die Blasphemiker immer mehr und Gott und seine Macht wurden von den meisten Menschen der Erde immer weiter hinterfragt. Doch noch konnten die Engel das alles im Zaum halten und die Abtrünnigen wieder bekehren. Sie schafften es sogar einige der Lucifer-Sprösslinge von Gott und seiner Botschaft zu überzeugen. Aber so schnell gab der Teufel nicht auf. Er wollte weiter mit aller Kraft die Erde retten und hatte viel Hoffnung in die stärksten seiner Kinder.

So befahl er ihnen, jede Woche Veranstaltungen auf der ganzen Welt zu besuchen statt wie die göttlichen Kinder in die Schule zu gehen. Sie sollten nicht von der Ideologie des Bildungssystems beeinflusst werden und stattdessen mehr Menschen von Lucifers Vorhaben überzeugen. Sie hatten viel Erfolg und bekamen viel Aufmerksamkeit, leider vor allem von den Kritikern und Gegnern. Doch auch das hielt sie und ihren Herrn nicht davon ab, weiterzumachen. Sie fluteten die sozialen Medien und die Nachrichtensendungen mit ihren Inhalten. Überall schleusten sie ihre Leute ein, um den Content zu beeinflussen. Besonders beliebt war eine Videoplattform im Internet, die die Kinder des Teufels für sich nutzten und damit ihre Botschaften in die ganze Welt brachten.

Gott sah, dass nichts mehr gut war. Und er beschloss, Lucifer in seinem Reich zu besuchen, um mit ihm zu verhandeln. Währenddessen verhandelten auch die mächtigsten Menschen auf der Erde mit ihren Widersachern aus der Hölle.

Gott kam also in die Unterwelt und bat den schwarzen Engel um ein Gespräch. Dieser willigte ein und sie setzten sich zusammen.

„Die Kinder Gottes haben schon immer die Erde bevölkert und seinen Willen erfüllt. Warum mischst du dich auf einmal ein, Lucifer? Die Hölle ist dein Reich und dein Herrschaftsgebiet, die Erde meines.“ „Ich habe das nun lange genug beobachtet und bin zu dem Schluss gekommen, dass die Erde bald nicht mehr existieren wird, wenn die Menschen weiterhin das machen, was du ihnen befiehlst. Also habe ich mich eingeschalten. Zum Wohle aller, vor allem aller nachfolgenden Generationen. Die göttlichen Kinder werden aussterben oder bekehrt werden und Lucifers Sprösslinge werden die Herrschaft über die Erde übernehmen. Es wird ein wunderschöner grüner Ort werden, an dem die Menschen im Einklang mit der Natur leben werden. Ich werde dich von deinem Thron stoßen, so wie du mich damals verbannt hast, und die Herrschaft über Himmel, Erde und Hölle übernehmen.“

Als Lucifer das gesagt hatte, stand er auf und ging hinaus. Er hatte alles gesagt und wusste, dass man mit Gott und seinen Nachkommen nicht diskutieren konnte. Gott ging zurück auf seinen Thron und betrachtete seine Schöpfung. Er erkannte, dass er keine Chance gegen Lucifer hatte. Dessen Kinder übernahmen die Erde und retteten sie, wie er es ihnen befohlen hatte.

Gottes Kinder wurden alle entweder bekehrt oder gingen zugrunde, weil sie nicht den Auftrag ihres Schöpfers ausführen konnten.

So gab Gott auf. Er legte seine Krone nieder. Er verließ seinen Thron. Und er verließ den Himmel. Er kehrte in Menschengestalt auf der Erde ein. Er würde sich nicht so leicht geschlagen geben. So wurde er Herrscher eines mächtigen Landes und wartete nur darauf, sein Vorhaben weiter umzusetzen.

Lucifer beobachtete seinen früheren Herrn und jetzigen Widersacher und lächelte still. Er wusste, was Gott vorhatte. Er würde ihn unter Kontrolle halten können.

Lucifer sah alles an, was er gemacht hatte. Es war sehr gut. Und er dachte sich: „Lass später nochmal die Erde retten.“

Bis bald, deine

Angela ❤

Bilderquelle: pixabay

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