Sunday Thoughts #15

Der Mensch kann nicht gut genug vom Menschen denken.

Immanuel Kant

Neujahrsvorsätze sind ja immer so eine Sache: Man hält sie sowieso nicht ein, vor allem nicht, wenn man mehr Sport machen, mit dem Rauchen aufhören, abnehmen oder sich im Allgemeinen gesünder ernähren will. Nach spätestens einem Monat sind alle guten Vorsätze über Bord geworfen und wieder vergessen. Aber ich will hier eigentlich nicht über Neujahrsvorsätze und die Inkonsequenz mancher Menschen reden. Ich wollte über meinen „Neujahrsvorsatz“ und die Konsequenzen daraus reden.

Am ersten Januar diesen Jahres habe ich die Entscheidung getroffen, vegetarisch zu leben. Allerdings hab ich von Anfang an klar gestellt, dass ich zwischendurch auch Ausnahmen machen werde, vor allem, wenn ich weiß, dass das Fleisch z.B. vom Bauern aus unserem Dorf kommt und es den Tieren da sehr gut geht. Wir haben jetzt Mai und ich habe das schon vier Monate sehr erfolgreich durchgezogen. Und ganz ehrlich, mir fehlt durch meine zwischenzeitlichen Ausnahmen nichts.

Aber auch darum soll es hier eigentlich nicht gehen. Sondern um folgendes: Warum müssen sich Menschen, die einen anderen Lebensstil führen als der Mainstream Deutschlands, immer rechtfertigen dafür?

Seit ich Vegetarierin bin muss ich mich immer wieder erklären, wenn Menschen davon erfahren, und ich gehe wirklich nicht damit hausieren. Versteh mich nicht falsch: Wenn jemand ehrliches Interesse an meinen Absichten und Ansichten zeigt, unterhalte ich mich gerne darüber und führe auch gern eine sinnvolle Diskussion. Aber wenn man schon von Anfang an den Eindruck hat, dafür belächelt zu werden, hab ich schon gar keine Lust mehr, mich mit diesen Menschen zu unterhalten.

Dasselbe habe ich vor Kurzem beobachtet bei jemandem, der seit ein paar Wochen keinen Alkohol mehr trinkt. Als es dann darum ging, nach den Ausgangsbeschränkungen zusammen zu feiern, hieß es von anderen, dass er dann auch etwas trinken muss. Und da dachte ich mir so: Ihr seid nicht befugt ihm etwas in diese Richtung zu befehlen. Außerdem finde ich es persönlich krass und lobenswert, dass er das durchzieht und für sich so entschieden hat. Warum sollte er sich für einen offensichtlich gesünderen Lebensstil auch noch rechtfertigen müssen?

Das Problem sowohl von Vegetariern, als auch von Menschen die keinen Alkohol trinken und noch vielen anderen, die vom Mainstream abweichen, ist schlichtweg die Gesellschaft. Es ist gesellschaftlich angesehen, Fleisch zu essen, Alkohol zu trinken etc., obwohl es offensichtlich ungesund ist und es ja auch keinen „richtigen“ Lebensstil gibt. Trotzdem nehmen sich die Menschen das Recht raus, Kritik an diesen Leuten zu üben.

Ich könnte mich da sehr darüber aufregen. Weil keiner dieser Menschen auch nur ansatzweise darüber nachdenkt, was er oder sie von sich gibt. Wenn man nämlich mal einen Moment nachdenken würde, würde man zu dem Schluss kommen, dass es lobenswert ist, so zu leben und das durchzuziehen.

Versteh mich nicht falsch, ich habe absolut nichts dagegen, wenn Menschen Fleisch essen oder Alkohol trinken, aber ich habe etwas dagegen, wenn sie andere verurteilen, die das nicht machen. Kann man nicht jeden einfach so leben lassen, wie er oder sie möchte? Das alles lässt sich ja auch noch größer auf Familienbild, Sexualität und das gesamte Weltbild beziehen.

Wenn man aber immer als KünstlerIn abgetan wird, wenn man andere Ansichten oder Lebensweisen hat, hat man irgendwann entweder keine Lust mehr, mit den Menschen zu diskutieren und sich zu rechtfertigen und blockt deshalb ab, oder man hat keine Lust mehr diesen Lebensstil weiter zu führen, weil man nur Kritik erntet und es deutlich entspannter ist, der heterosexuelle Max Mustermann aus dem Reihenhaus mit Frau, zwei Kindern, Hund und Minivan zu sein.

Hör einfach auf in solchen Klischees zu denken und lass die Leute machen, was sie wollen! Bis bald, deine

Angela ❤

Bilderquellen: privat, pixabay

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