Wer. Bin. Ich.

Der wahre Schauspieler ist von der unbändigen Lust getrieben, sich unaufhörlich in andere Menschen zu verwandeln, um in den anderen am Ende sich selbst zu entdecken.

Max Reinhardt

Wer. Bin. Ich.

Die Frage nach dem Wesen, ist eine der verworrensten überhaupt und dennoch beschäftigt sie uns ein Leben lang. Denn wer wir sind und wer wir sein wollen, sind häufig zwei Paar Schuhe. Aber was hat das alles mit mir zu tun? Als Schauspielerin schlüpfe ich in die unterschiedlichsten Rollen und entdecke so die Welt immer wieder aufs Neue. Dabei ist es faszinierend, zu beobachten, was mit einem selbst dabei geschieht, wenn sich plötzlich ein ganz neuer Blickwinkel offenbart. Schließlich bin es immer noch ich, die sich hinter jeder dieser Masken verbirgt.

Das ist mit einer der ausschlaggebendsten Faktoren, warum mich die Kunst des Schauspiels so in den Bann gezogen hat. Der unstillbare Durst nach dem Ungewissen und Fremden hat mich damals als 12-jähriges Mädchen gepackt und fortan nicht mehr losgelassen. Mit jeder neuen Rolle entdecke ich Stück für Stück weitere Seiten meiner Selbst, von denen ich gar nicht gewusst habe, dass sie existieren. Auf meinem bisherigen Weg habe ich bereits viele Figuren verkörpern dürfen. Mein Debut auf der Bühne habe ich mit dem von mir selbstgeschriebenen Stück „Durchgebrannt“ in der Rolle der „Biesy“ – einem verrückten, sehr aufgeweckten und früchteliebenden jungen Mädchen – gehabt. Gleichzeitig ist es das erste Mal für mich gewesen, dass ich zusammen mit anderen jungen Künstlerinnen und Künstlern ein völlig neues Stück erarbeiten und anschließend das Skript dazu schreiben habe dürfen, das anschließend aufgeführt worden ist.

Doch bei dieser einen Rolle ist es glücklicherweise nicht geblieben. Vor allem am Anfang ist es mir ein großes Anliegen gewesen, dass ich verschiedene Figuren ausprobiere. Je unterschiedlicher die Charaktere, desto besser. Denn, wenn ich eines nicht leiden kann, dann ist es, an einen einzigen Rollentypen gebunden zu werden und nicht mehr davon los zu kommen. Bis dato ist das allerdings noch keinem gelungen. Demzufolge habe ich bereits das Vergnügen gehabt von der Gemobbten über den Troublemaker bis hin zum Psychopathen in so ziemlich jede Rolle zu schlüpfen. Für mich ist jede Figur etwas Besonderes gewesen und hat zu meiner stetigen Entwicklung sowohl als Schauspielerin als auch als Person beigetragen. An dieser Stelle muss ich gestehen, dass die Rolle der Psychologin (und Psychopathin) Dr. Lockwood einen besonderen Platz in meinem Herzen trägt. Ihre verzerrte Sicht der Dinge hat mich die Welt aus einer Perspektive sehen lassen, wie es nur im Theater möglich ist.

Bislang kenne ich nur die Bühne und all das, was zu ihr gehört: Neben dem Schreiben von Stücken bin ich auch fleißig beim Bühnen(auf)bau tätig. Was letzteres betrifft, bin ich zwar noch lange kein Profi, aber ich bin willig mitanzupacken und zu helfen. Schließlich ist es ein großartiges Gefühl, wenn man behaupten kann, die Bühne, auf der gerade alle zu sehen gewesen sind, hat man mit der Unterstützung von anderen selbst gezimmert. Außerdem kann auch nicht jeder von sich selbst behaupten, schon einmal eine Wendeltreppe angefertigt zu haben…

Seit letztem Jahr habe ich auch erste Erfahrungen im Camera Acting sammeln dürfen. Vor einer Kamera zu stehen, ist etwas völlig anderes als vor Publikum zu performen. Die Art sich zu bewegen, die Mimik und vor allem die Lautstärke beim Sprechen sind sehr verschieden. Dennoch finde ich sowohl Film als auch Bühne spannend. Ob ich mich für eines der beiden entscheiden könnte, weiß ich nicht. Die Bühne kenne ich nun bereits sehr lange und ich habe sie auch in mein Herz geschlossen. Was Camera Acting betrifft, bin ich gerade erst auf dem Weg, es für mich zu entdecken.

Wie der Zufall es so will, habe ich im Jänner dieses Jahres bei meinem allerersten Casting mitgemacht und es ist ein voller Erfolg gewesen. „Keinen Schritt zurück“ heißt der Film, in dem ich die Hauptrolle der Elisa Stuart verkörpern werde. Unglücklicherweise ist dieses Jahr anders verlaufen, als ich es mir gewünscht hätte. Die Corona-Krise hat nicht nur bei mir eine ungewollte 180-Grad-Drehung herbeigeführt. Generell hat es der gesamten Menschheit einen Stoßdämpfer verpasst. Ich für meinen Teil kann nur aus der Sicht der Künstlerinnen und Künstler sprechen, wenn ich sage, dass es diese Branche besonders schwer getroffen hat. Denn durch den plötzlichen Shutdown ist die Kultur zum völligen Stillstand gekommen. Ich habe das Glück, dass ich noch zur Schule gehe und mir meinen Unterhalt nicht selbst verdienen muss. Doch das trifft leider nicht auf alle zu. Viele wissen nicht, wie sie diese Situation überstehen sollen, immerhin fehlen ihnen zurzeit jegliche Einnahmen. Auch ich habe, wenn auch nur in abgeschwächter Form, die Auswirkungen zu spüren bekommen. Sämtliche Theaterproben und Aufführungen sind ausgefallen beziehungsweise verschoben worden. Auch der Film, auf den ich mich besonders gefreut habe, ist auf nächstes Jahr verlegt worden.

Mittlerweile kann ich aber wieder etwas aufatmen. Langsam wird alles wieder hochgefahren und eine gewisse Normalität kehrt zurück. Das bedeutet für mich: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Okay, es hört sich schlimmer an als es ist. Meine Sehnsucht nach der Bühne hat mich bis jetzt zu vier verschiedenen Theatergruppen getrieben. Das heißt, über das ganze Jahr verteilt, springe ich von einer Produktion zur nächsten. Ich muss zugeben, dass neben Schule und anderen Aktivitäten wie Gitarre-, Violin- und Gesangsunterricht nicht mehr viel Zeit für die so genannte „Freizeit“ bleibt.

Doch Schauspielern ist meine Passion, der ich mich zu jedem Zeitpunkt meines Lebens hingeben möchte und auch hingeben werde. Den Ruf der Bühne kann und will ich nicht länger unterdrücken. Es gibt sicher Menschen, die es nicht nachvollziehen können oder die es für unüberlegt halten, sein Leben von der Schauspielerei abhängig zu machen. Skeptiker wird es immer geben. Aber ich möchte mein Leben nicht von anderen bestimmen lassen. Mein Herz sagt mir, ich soll meinem Traum folgen und das werde ich.

Es ist, wie Bertolt Brecht einst sagte: „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Das war ein Gastbeitrag von Isabel Brachowicz, die genauso wie Helena bei dem Filmprojekt von optixsociety mitwirkt. Wie sie oben erwähnt hat, spielt sie dabei sogar die Hauptrolle. Ich habe mich sehr gefreut, dass sie sich bereit erklärt hat, einen Beitrag für meinen Blog zu schreiben. Er hat meine Erwartungen auf jeden Fall noch übertroffen und ich wünsche auch Isabel alles Gute und hoffe, dass die Dreharbeiten bald beginnen können.

Bis bald, deine

Angela ❤

Bilderquellen: unsplash, pexels, privat Isabel Brachowicz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s