Wahl ab 16

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Demokratie ist ein Verfahren, das garantiert, dass wir nicht besser regiert werden, als wir es verdienen.

George Bernard Shaw

Eine Debatte, die schon seit langer Zeit immer wieder geführt wird, ist die, ob man die Menschen schon mit 16 Jahren zur Wahl zulassen sollte. Ich werde heute dieses Thema erörtern, da es jetzt, da die Wahlen in den USA laufen, in Hong Kong für Wahlen demonstriert wird und im nächsten Jahr wieder Bundestagswahlen anstehen, dringlicher ist als sonst.

In Deutschland ist es bereits in den Bundesländern Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen auf kommunaler Ebene erlaubt, mit 16 Jahren zu wählen. Auf Landesebene ist es lediglich in Brandenburg, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein möglich.

In Österreich ist das Wählen ab 16 uneingeschränkt möglich. Allerdings haben die BürgerInnen dort bis sie 18 Jahre alt sind lediglich ein passives Wahlrecht. Sie dürfen also wählen, aber nicht gewählt werden. Erst 2007 wurde dieser Beschluss gefasst mit folgender Begründung:

Mit 16 Jahren sind junge Menschen bereits strafmündig und erweitert geschäftsfähig, setzen sich mit ihrer Lebensplanung auseinander, müssen über ihren Bildungsweg und ihre berufliche Zukunft entscheiden und stehen zum Teil bereits im Berufsleben.

http://www.frauen-familien-jugend.bka.gv.at

Auch in Malta wurde das Wahlalter gesenkt und mittlerweile denkt auch die EU und der Europarat darüber nach. Das dürfte bei vielen Ländern nicht unbedingt auf Zustimmung treffen.

Doch in meinen Augen sind die Argumente, die die KritikerInnen anbringen nicht ganz nachvollziehbar. Sie behaupten zum Beispiel, dass Jugendliche zu leicht von Eltern oder anderen Mitmenschen beeinflusst werden können und dass sie nicht die nötige Reife für die Wahl besitzen. Außerdem würden sie zu sehr von sozialen Medien beeinflusst werden und könnten nicht zwischen Fake News und Fakten unterscheiden. Das würde nach dem Schulabschluss besser gehen. Zusätzlich würden Jugendliche zu Extrempositionen neigen, und so extremistische Parteien wählen und die Schulen würden nur unzureichend auf Wahlen vorbereiten. Das letzte Argument ist, dass Jugendliche sich nicht für Politik interessieren würden, das würde sich auch eine Wahlalter-Absenkung nicht ändern und die Wahlbeteiligung würde dann noch zurückgehen.

Ich werde jetzt einmal meine Meinung zu diesen Argumenten hervorbringen. Ich behaupte nicht, dass meine Ansichten die einzig richtigen sind, aber ich möchte ein bisschen zum Nachdenken anregen:

Das erste Argument: Jugendliche können zu leicht von Mitmenschen beeinflusst werden. Das gilt vielleicht für Jugendliche im Alter von 12-14, allerdings bin ich stark der Meinung, dass sich keine 16-Jährigen mehr von ihren Eltern beeinflussen lassen, vor allem nicht politisch. In diesem Alter hat man meist eine gefestigte politische Meinung.

Das zweite Argument: Die Jugendlichen sind nicht reif genug für die Wahl. Das lässt sich mit den selben Gegenargumenten wie das erste entkräften.

Das dritte Argument: Jugendliche würden zu stark von sozialen Medien beeinflusst werden und könnten nicht mehr zwischen Fake News und Fakten unterscheiden. Also, Entschuldigung, aber wer kann das heutzutage denn noch? Das hat nichts mit dem Alter zu tun. Die heutigen 16-Jährigen sind schon lange nicht mehr die Einzigen, die auf sozialen Netzwerken angemeldet sind. Und ehrlich gesagt habe ich in meiner Bubble den Eindruck, dass jüngere Menschen nicht ohne Nachzudenken irgendetwas reposten, das sie nicht gefakecheckt haben. In meinen Feeds auf den sozialen Netzwerken sehe ich das häufig bei der Generation meiner Eltern. Natürlich habe ich keine breit angelegte Studie durchgeführt, aber ich bin der Meinung, dass es für das Verständnis von Fakten nicht auf das Alter ankommt.

Das vierte Argument: Die Unterscheidung von Fake News und Fakten würde nach dem Schulabschluss besser gehen. Was ist das bitte für ein Argument? In Deutschland zumindest machen viele SchülerInnen ihren Schulabschluss mit 15 oder 16 Jahren. Dieses Argument bezieht sich ganz klar auf GymnasiastInnen, die mit Sicherheit nicht das Mittelmaß der Gesellschaft sind. Das würde ja implizieren, dass nur noch Menschen mit Abitur wählen dürfen.

Das fünfte Argument: Die Schulen würden die Jugendlichen nur unzureichend auf Wahlen vorbereiten. Das widerspricht sehr dem vierten Argument. Sind die SchülerInnen nun nach dem Schulabschluss fähig, zu wählen oder bereiten die Schulen sie gar nicht darauf vor? Außerdem müsste man dann eben die Lehrpläne ändern. Ganz nebenbei wäre es sowieso wichtig, dass in den Schulen mehr über Politik und politische Abläufe gelehrt wird.

Das sechste Argument: Jugendliche würden zu extremen Positionen neigen und so extremistische Parteien wählen. Das lässt sich gut mit dem letzten Argument verbinden, deshalb hier:

Das siebte Argument: Jugendliche würden sich nicht für Politik interessieren und die Wahlbeteiligung würde noch sinken. Wieder einmal ein Widerspruch in sich. Haben Jugendliche nun extreme Positionen oder interessieren sie sich nicht für Politik? Entweder oder nicht und! Außerdem ist das sowieso Schwachsinn, da man gerade an Demonstrationen wie Fridays for Future oder Black Lives Matter sieht, dass sich Jugendliche heutzutage politisch engagieren. Sie wollen mitentscheiden. Und ja, vielleicht sind das extreme Positionen. Aber liebe extreme Standpunkte als „neutrale“. Lieber Jugendliche mit einer klaren politischen Meinung als irgendwelche Boomer mit einer scheißegal-Einstellung. Frei nach dem Motto: Nach uns die Sintflut.

Wie man an meiner obigen Auflistungen schon erkennt, spricht für mich nichts dagegen, das Wahlalter auf 16 abzusenken. Das einzige Contra-Argument, das ich in irgendeiner Weise nachvollziehen kann ist, dass die Möglichkeit zu Wählen und die Volljährigkeit zusammenhängen. Das ist etwas, das für mich Sinn ergibt.

Ich würde ehrlich gesagt (und mit einer jugendlichen extremistischen Ansicht) eher darüber nachdenken, ob man die BürgerInnen vor der Wahl nicht einen Eignungstest absolvieren lässt. Sodass Menschen mit unzureichendem politischen Wissen oder einer zu extremistischen Position gar nicht erst wählen dürfen. Natürlich ist das schwierig umzusetzen, wäre aber sinnvoller als engagierte Jugendliche aus der Generation Z nicht wählen zu lassen.

Damit schönes Wochenende und bis bald, deine

Angela ❤

Bilderquelle: unsplash.com

Quellen: https://www.machs-ab-16.de/wahlen-ab-16-in-deutschland/

https://www.frauen-familien-jugend.bka.gv.at/jugend/beteiligung-engagement/waehlen-mit-16.html#:~:text=Bei%20Wahlen%20zum%20Europ%C3%A4ischen%20Parlament,%3A%20Volksabstimmungen%2C%20Volksbegehren%20und%20Volksbefragungen.

https://de.euronews.com/2018/09/12/nach-osterreich-und-malta-wahlen-ab-16-bald-in-ganz-europa

https://www.waehlenab16-bw.de/proundcontra.html

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