Kapitalismusopfer Buchmarkt

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Die Rolle des Dichters auf dem Buchmarkt wird immer zweitrangiger.

Harald Schmid

Jeder der schon einmal versucht hat, etwas auf dem Buchmarkt zu veröffentlichen, kam wahrscheinlich an einen Punkt, an dem er oder sie sich gefragt hat, warum dieser dermaßen umsatzorientiert und unfair gegenüber neuen Autorinnen und Autoren ist.

Diesen Gedanken habe ich in letzter Zeit wieder häufiger, da ich vor Kurzem mein aktuelles Buch an einige Literaturagenturen geschickt habe, in der Hoffnung, dass eine sich dafür interessiert und es in ihr Programm aufnehmen möchte. Es ist das erste Mal, dass ich das mit dem Buch versuche, das ich im Moment schreibe und bin eigentlich guter Dinge, dass es funktionieren wird.

Meiner Meinung nach ist meine Idee innovativ, es ist etwas Anderes als der Mainstream auf dem Buchmarkt und ein besonderer Schreibstil. Es spricht „Tabuthemen“ an und hat kein Happy End. Eigentlich gute Voraussetzungen für ein Buch, das frischen Wind auf den Markt bringen kann. Wäre dieser nicht ein derartiges Kapitalismusopfer.

Ich habe in der Zeit, in der ich mich jetzt schon mit dem Buchmarkt beschäftigt habe, feststellen müssen, dass es für Menschen, die außerhalb der Literaturszene bereits bekannt sind, viel einfacher ist, ein Buch zu veröffentlichen, als für diejenigen, die bisher ein unauffälliges Leben geführt haben. Um das an einem Beispiel festzumachen: Samu Haber, der Frontsänger von Sunrise Avenue, der im deutschsprachigen Raum vor allem durch die Castingshow The Voice of Germany und sein gutes Aussehen bekannt geworden ist, hat vor circa einer Woche seine Autobiografie Always yours veröffentlicht.

Das wird ihm auf dem deutschen Buchmarkt nicht sonderlich schwer gefallen sein. Denn er ist bekannt, er ist beliebt und jede Agentur, jeder Verlag werden sich darum reißen, viel Umsatz mit seinem Namen zu machen. Ich habe das Buch nicht gelesen, ich weiß nicht, wie Samu Haber schreibt, aber ich traue mich, zu behaupten, dass es mindestens genauso talentierte unbekannte Autorinnen und Autoren gibt, die ihre Werke vergebens bei den Institutionen einreichen. Sie werden nicht angenommen, weil es nur ein weiteres unbedeutendes Werk eines unbekannten Autors wäre.

Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass Agenturen und Verlage nicht mehr nach Talent selektieren, sondern nach Bekanntheits- oder Vermarktungsgrad. Wer sich gut vermarkten lässt, der kann auch etwas veröffentlichen. Wer bisher ein langweiliges Leben ohne Besonderheiten geführt hat, vielleicht aber viel besser schreibt als so manche Berühmtheit, wird nie gehört. Es ist für Jungautoren auf dem Buchmarkt ohne Connections wirklich schwierig, Fuß zu fassen.

Man darf mich hier aber nicht falsch verstehen. Natürlich weiß ich, warum Verlage Autobiografien oder andere Bücher von „Prominenten“ verlegen. Sie brauchen den generierten Umsatz schließlich, um überleben zu können. Und natürlich muss man sein Programm auch der Nachfrage der Leserinnen und Leser anpassen. Und diese wollen nun einmal Biografien von ihren Lieblingen aus Film und Musik lesen, wenn sie überhaupt noch etwas lesen wollen.

Ich selbst verfolge das Ziel, in meinem Leben einen Verlag oder eine Literaturagentur zu leiten. Und ich hoffe, dass ich dann nicht ebenfalls dem Kapitalismus zum Opfer falle, sondern meinen Ethos umsetzen kann. Mein Wunsch ist es, allen Autorinnen und Autoren aus allen Genres, Altersgruppen und Gesellschaftsschichten dieselben Chancen zu geben. Somit wird eine Biografie von Angela Merkel genauso geprüft wie ein Manuskript von einem unbekannten Neuautoren. Ein Fantasyroman genauso wie ein Theaterstück.

Natürlich weiß ich nicht, ob das später einmal funktionieren wird. Aber ich hoffe es sehr, da ich sonst vermutlich mit mir selbst nicht im Reinen sein kann, was meinen Erfolg angeht.

Mit diesen Gedanken bis bald, deine

Angela ❤

Bilderquelle: unsplash.com

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