Was ist Literatur?

am

Ich glaube an die Befreiung der Literatur aus der Zwangsjacke des Nationalismus.

Ngugi wa Thiong’o

Das ist wohl die schwierigste Frage, die man sich in der Literaturwissenschaft schon seit Anbeginn der Zeit stellt. Manche Literaturkritiker*innen, Wissenschaftler*innen oder auch Laien meinen zwar, eine ganz klare Antwort darauf zu haben, aber letztlich sind sie doch alle unterschiedlich.

Gerade ältere Generationen denken bei „Literatur“ sofort an Goethe, Schiller und Shakespeare. Doch nicht an Rosamunde Pilcher, Diana Gabaldon und Colleen Hoover. Andere sehen nur Bücher, also Geschriebenes und Publiziertes als Literatur an. Und wieder andere vertreten einen sehr weiten Literaturbegriff und sagen, jegliche Art des Geschriebenen ist Literatur.

Aber was ist denn jetzt eigentlich wirklich Literatur?

Diese Frage kann und will ich auch gar nicht beantworten. In der Komparatistik geht man mittlerweile eigentlich von einem sehr weiten und deskriptiven (beschreibenden) Literaturbegriff aus. Das heißt alles Geschriebene ist erst einmal Literatur, wenn es in einem entsprechenden Rahmen auftaucht.

Ein konkretes Beispiel: Peter Handke (ein umstrittener Autor) hat in einem seiner Gedichtbände eine Fußballaufstellung des 1. FC Nürnberg abgedruckt. Eine Aufstellung, die so eins zu eins in der Zeitung stand.

Das ist das klassische Beispiel im Studium, das immer wieder angeführt wird, wenn es um die altbekannte Literatur-Frage geht. Die meisten Menschen würden wahrscheinlich sagen, dass es Literatur ist, weil es ja in einem Gedichtband steht auf dem der Name eines renommierten Autors zu lesen ist. Doch würden diese Leute die Fußballaufstellung auch als Literatur bezeichnen, wenn sie sie in der Zeitung sehen? Höchstwahrscheinlich nicht, da es im Zeitungs-Rahmen eine rein informierende Veranschaulichung ist.

Doch es ändert sich ja nichts am eigentlichen Text, sondern nur am Rahmen, in dem wir jenen lesen. Ein anderes Beispiel wäre, dass eine Gebrauchsanweisung einer Waschmaschine von niemandem als Literatur bezeichnet werden würde, da sie ein reiner Gebrauchstext ist. Doch wenn nun jemand auf einem Poetry Slam genau diese Anleitung vortragen würde, wäre sie in den Augen vieler Literatur.

Diese Beispiele funktionieren allerdings nur, wenn man eben einen modernen weiten Literaturbegriff vertritt. Für Menschen mit einem engen normativen Begriff ist die Sache ganz klar keine Literatur, egal in welchem Rahmen. Denn für diese Menschen muss Literatur etwas selbst und in künstlerischer Sprache Geschriebenes Fiktionales sein.

Ich persönlich vertrete den für die moderne Literaturwissenschaft üblichen weiten deskriptiven Literaturbegriff und gehe sogar so weit zu sagen, dass Literatur (genauso übrigens wie Kunst und Kultur) etwas rein subjektives ist und somit jeder Mensch einen ganz eigenen Literaturbegriff definiert.

Damit und um die Gretchen-Frage der Literaturwissenschaft einmal abgehakt zu haben, noch eine schöne Woche und bis bald, deine

Angela ❤

Bilderquelle: unsplash.com

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