Kein Werk ohne Autor

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Die echten Schriftsteller sind die Gewissensbisse der Menschheit.

Ludwig Feuerbach

Wie schon der Beitrag über den Literaturnobelpreis ist dieses Thema wieder von meinem Studium angeregt. Gestern haben wir in einem Seminar über die Frage diskutiert, ob man ein Werk von seinem Autor oder seiner Autorin trennen kann, muss oder sollte oder ob sie unwiderruflich zusammengehören.

Diese Frage stellt sich auch bei der Vergabe des Literaturnobelpreises immer wieder. Ein typisches Beispiel ist hier Peter Handke, ein umstrittener Schriftsteller, bei dem die Jury ihre Entscheidung so begründete, dass man den Autor vom Werk trennen muss. Dabei ist nur schwierig, dass der Preis an den Autor und nicht an sein Werk vergeben wird.

Kann man also das Werk vom Autor oder der Autorin trennen?

Ich finde, dass man die Frage nicht eindeutig beantworten kann. Ich nehme als Beispiel jetzt einfach J.K. Rowling, da diese einen riesen Aufschrei verursacht hat, nachdem sie Folgendes twitterte:

Ich will hier gar nicht auf den Inhalt dieses Tweets beziehungsweise des Kommentars eingehen, sondern nur auf die Debatte um ihre Werke. Ich stehe nicht hinter dem, was sie da von sich gibt und verurteile es auch wie viele andere Menschen.

Darf ich nun trotzdem noch die Werke von J.K. Rowling lesen?

In erster Linie dürfen wir lesen, was wir wollen. Das wird von mir niemandem abgesprochen und ich verurteile auch niemanden, der Werke von Peter Handke oder J.K. Rowling liest. Ich finde nur, dass man sich der Sachlage bewusst sein sollte. Wir sollten wissen, mit was für einem Autor oder einer Autorin wir es zu tun haben, ob wir dessen oder deren Unterstützung durch den Kauf eines Buches wollen und ob wir die Lektüre mit unserem Gewissen vereinbaren können.

Denn gerade im Rowling-Fall ist es ja nun einmal so, dass sich weder die Geschichten der Autorin, noch ihr Gedankengut plötzlich verändert haben, sondern rein unsere Lesart. Wir lesen die Bücher mit unserem jetzigen Hintergrundwissen vielleicht anders, sehen in manchen Situationen eine gewisse Problematik, aber das ist alles nur in unseren Köpfen.

Wie schon erwähnt, finde ich es schwierig zu sagen: „Ich lese die Bücher nicht mehr.“ oder „Man muss das Buch vom Autor trennen.“

Beides ist nicht unbedingt zielführend in meinen Augen. Ich finde es wichtig, sich der Faktenlage bewusst zu sein beim Lesen, sich zu informieren, nicht den Autor oder die Autorin zu verherrlichen und weiterhin kritisch an Werke herangehen.

Im Fall J.K. Rowling ist es bei mir zum Beispiel so, dass ich auch weiterhin Harry Potter lesen oder die Filme anschauen werde, aber ich werde vermutlich keine Bücher von ihr mehr kaufen. Ich besitze auch kein Buch von ihr, die Harry Potter-Bücher leihe ich mir von meiner besten Freundin oder meiner Schwester aus. Somit kann ich weiterhin gute Bücher lesen, unterstütze aber selbst nicht die Autorin, deren Weltbild ich nicht teilen kann und verurteile.

Es muss also jeder für sich selbst eine Lösung für die Frage finden, inwieweit man ein Werk vom Autor oder der Autorin trennen kann. Denn letztlich ist es ja auch so, dass es kein Werk ohne Autor gibt.

Damit bis bald, deine

Angela ❤

Bilderquelle: unsplash.com

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