„Ehrgeiz, Mut und Wille müssen stärker sein als Zweifel“ – Ein Interview

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Anknüpfend an meinen letzten Beitrag habe ich eine Kreativschaffende interviewt. Felizitas Steiner ist 24, wohnt seit drei Jahren in Frankreich und studiert in Paris. Sie ist beteiligt an einem Kurzfilm für OptixSociety und in diesem Beitrag erfährst du mehr über ihre Arbeit, ihre Beweggründe, Ziele und Gedanken.

Stell dich doch bitte vor. Wer bist du? Was machst du?

Ich studiere Film und Audiovisuelles in Paris und drehe diesen Sommer meinen zweiten Kurzfilm in Zusammenarbeit mit Optix Society.  Der Film heißt [Dis]connected und stellt vier von digitalen Geräten (Handys und Computer) abhängige Jugendliche dar, die bei einem Schulausflug in die Alpen ohne Verbindung auskommen müssen. Das Casting für die Hauptrollen wurde übrigens diese Woche gestartet und wir freuen uns über Bewerbungen.

[Hier kannst du dich bewerben: https://www.optixsociety.com/bewerbungen]

Wie kam es dazu, dass du ausgerechnet in Frankreich studierst?

Das war eigentlich nicht geplant. Ich habe zwar schon in der Schule Französisch gelernt,  wollte anfangs aber im deutschsprachigen Raum studieren. Nur waren zu dem Zeitpunkt, an dem ich mich für das Studium Film und Audiovisuelles entschieden habe, die Bewerbungsfristen für die meisten Universitäten schon vorbei. Also hab ich es in Paris versucht, wo ich noch sehr viele Freunde von vorherigen Aufenthalten hatte. Die Freude war groß, als ich an der prestigeträchtigen Universität Sorbonne aufgenommen wurde. Da musste ich nicht lange überlegen.

Der Studiengang „Film und Audiovisuelles“ war ja nicht deine erste Wahl. Vorher hast du Sportjournalismus studiert. Hast du dieses Studium abgeschlossen und warum bist du dann in eine andere Richtung gegangen?

Ja, ich habe den Studienlehrgang Sportjournalismus in Salzburg erfolgreich abgeschlossen und war auch eine Zeit lang in diesem Metier tätig. Allerdings habe ich gemerkt, dass auch der Journalismus heutzutage immer mehr in Richtung Bewegtbild geht. Bei vielen Onlinemedien, für die ich gearbeitet habe, war die Strategie „Video first“ – audiovisuelle Beiträge werden also Textbeiträgen vorgezogen, weil die meisten Nutzer ganz einfach lieber kurze Videos sehen, als lange Texte zu lesen.

Außerdem machen Journalisten und Filmemacher im Endeffekt das Gleiche – Beide erzählen Geschichten. Der Unterschied ist nur wie die Geschichte erzählt wird und warum. Ich denke, dass man als Regisseur/in und Drehbuchautor/in unabhängiger ist.

Wie hast du die Pandemie bisher erlebt? War sie nur negativ für dich oder hat sie dir vielleicht auch neue Möglichkeiten oder neue Erkenntnisse eröffnet?

Ich habe die Pandemie bisher sehr positiv erlebt, weil ich mehr Zeit für die Durchführung einiger Projekte hatte. So ist während dem ersten Lockdown mein erster Kurzfilm Nous sommes en guerre (We are at war) entstanden, der von häuslicher Gewalt während der Ausgangssperre handelt. Ich habe ihn im Mai 2020 mithilfe eines Smartphones gedreht und habe viel positives Feedback von Festivals erhalten.

Ein amerikanischer Schriftsteller, der hier in Südfrankreich wohnt, hat mir auch nach Sichtung meines Kurzfilms angeboten, gemeinsam mit ihm ein Drehbuch für einen Spielfilm zu schreiben. Dieses Drehbuch ist bereits auf Amazon unter dem Titel Think you can hit a woman… Better think again erhältlich.

Das Drehbuch für den Kurzfilm „[Dis]connected“ habe ich übrigens auch während dem ersten Lockdown in Südfrankreich geschrieben. Ich freue mich schon sehr auf den Dreh.

Wie geht es dir psychisch? Also sowohl im Studium als es noch „normal“ lief als auch jetzt in der Pandemie?

Psychisch war es anfangs schwierig, weil in Paris der Lockdown und die Maßnahmen viel strenger waren und die Leute noch gestresster als sonst. Aber da die Universität nun online stattfindet, haben wir Paris verlassen und uns in Südfrankreich in einem kleinen, schönen Dorf niedergelassen. Hier ist es wunderschön, und dementsprechend hat sich auch meine Laune verbessert.

Manchmal ist es aber schwierig, die ganzen Onlinekurse zu verfolgen, wenn es draußen schon richtig warm ist. Man braucht viel Selbstdisziplin und muss gut organisiert sein, wenn man von zuhause aus lernt. Aber ich bleib dran, denn wenn alles gut geht, bin ich im Mai mit dem Studium fertig.

Hast du den Eindruck, ein Opfer unserer Leistungsgesellschaft zu sein, wie ich es in meinem letzten Beitrag dargestellt habe?

Ich habe den Beitrag gelesen, aber die beschriebene Situation trifft nicht auf mich zu. Ich hatte nie diesen Druck, irgendwas bestimmtes machen zu müssen.

Natürlich machen sich viele Eltern Sorgen, wenn man etwas Kreatives oder Künstlerisches studiert, weil der Einstieg in die Filmbranche zum Beispiel sehr schwer ist. Nur wenige schaffen es ganz nach oben, aber davon darf man sich nicht abhalten lassen. Wenn man seiner Leidenschaft nachgeht und wirklich etwas erreichen will, schafft man es immer. Ehrgeiz, Mut und Wille müssen stärker sein als  Zweifel.

Würdest du sagen, dass du im Moment glücklich bist?

Jeder Mensch strebt nach Glück, aber nicht jeder weiß, was das Wort überhaupt bedeutet. Das liegt daran, dass die Definition von Glück auch subjektiv ist.

Ich persönlich bin zufrieden mit mir und freue mich über die kleinen Dinge im Leben. Ob ich im Wald spazieren gehe oder einen Porzellanteller bemale, ich genieße den Moment und finde immer etwas, das mich glücklich macht. Besondere Freude bereitet mir natürlich die Arbeit an meinem aktuellen Kurzfilm [Dis]connected, der Ende des Jahres veröffentlicht wird.

Ich bedanke mich bei Felizitas für das Interview. Ich fand es sehr spannend, etwas über den Bereich Film und ihr Leben im Ausland zu erfahren. Ich freue mich schon sehr auf den Kurzfilm und wünsche ihr alles Gute!

Damit ein schönes Wochenende und bis bald, deine

Angela ❤

Bilderquelle: unsplash.com, privat Felizitas Steiner

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