Feminismus – der ewige Kampf

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Frauen, die nichts fordern werden beim Wort genommen – sie bekommen nichts.

Simone de Beauvoir

Es ist ein Thema, das von vielen verhasst ist. Von Männern wohl mehr als von anderen. Und doch ist es wichtiger denn je: Feminismus – mit seinen Bewegungen und Aktivist*innen. Leider ist Feminismus auch ein Thema, über das viel Menschen ein vollkommen falsches Bild haben. Viele haben sich bisher noch nicht wirklich damit auseinandergesetzt, obwohl es so wichtig für jede*n Einzelne*n ist.

Ich möchte in diesem Beitrag nicht nur über Feminismus aufklären, sondern vor allem meine Einstellung dazu und meine Auffassung der Bewegung thematisieren. Außerdem lasse ich einige andere Stimmen zu Wort kommen.

Der Feminismus schaut auf eine lange Geschichte zurück. Natürlich waren auch Frauen in der Antike oder dem Mittelalter feministisch, doch das war wohl eher die Ausnahme. Derartige Ausreißer wurden wohl schnell mundtot gemacht oder als Hexen verbrannt. Wenn ich also vom Feminismus als anerkannte Bewegung ausgehe, so spreche ich von den drei Wellen des Feminismus.

Die erste Welle entwickelte sich im Zuge der Französischen Revolution und der Anti-Sklaverei-Bewegung in den USA und begann wohl 1848 mit der Declaration of Sentiments, der Erklärung der Gleichheit von Mann und Frau in den USA. Dabei ging es vor allem um das Wahlrecht für Frauen und die Reform des Ehe- und Besitzrechtes.

Man kennt wohl den Begriff der Suffragetten, eine abwertende Bezeichnung für die damaligen Frauenrechtlerinnen. Denn ihr oberstes Ziel war es, das Wahlrecht für Frauen zu erreichen. Daneben kämpften sie außerdem für ihr Recht auf Erwerbsarbeit, ihr Recht auf Bildung und für „eine Gesellschaft auf neuer sittlicher Grundlage“.

Durch den ersten Weltkrieg kam es dazu, dass viele Frauen arbeiten mussten, da ihre Männer an der Front waren, danach mussten sie weiterarbeiten, da die meisten Soldaten invalide waren, als sie zurückkamen und die Länder wieder aufgebaut werden mussten. Im Laufe der goldenen Zwanzigern kamen wohl die meisten gesellschaftlichen Umbrüche zustande.

Die berühmte Suffragette „Mrs. Suffern“ 1914

Die zweite Welle begann als Studierendenbewegung und entwickelte sich dann zu einer sozialen Bewegung nach den 1950er bis 60er Jahre. Sie wurde vor allem durch die Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner*innen und der Massenbewegung gegen den Vietnamkrieg in den USA inspiriert.

Diese Bewegung zeichnete sich vor allem durch geänderte Protestformen aus und durch ein radikaleres Bild des Feminismus, das sich vor allem gegen Männer richtete. So entstand auch das Hassobjekt Mann. Durch diese Welle des Feminismus denken viele noch heute, dass Feminist*innen Männer hassen und alles Männliche ablehnen.

Für mich ist beim Thema Feminismus ganz wichtig, klar zu stellen, dass das nicht Misandrie, beziehungsweise den Wunsch der Benachteiligung von Männern bedeutet.

Stimme des Feminismus (weiblich, 20 Jahre)

In dieser Zeit der Bewegung ging es vor allem um die radikale Gleichberechtigung der Frau und vor allem um die Selbstständigkeit und Anerkennung weiblichen Lebens in allen Bereichen. Es entstanden viele Subbewegungen, die spezielle Ziele verfolgten und eigene Protestformen entwickelten. Die einen radikaler als die anderen.

In dieser Zeit wurde die Gesellschaft zum Umdenken aufgefordert und jegliche traditionellen Rollenbilder wurden ins Gegenteil gekehrt. Es entstanden zwei Lager: die Feminist*innen und die Anti-Feminist*innen, also die Menschen, die bei den traditionellen Rollen-, Familien- und Geschlechterbildern verharrten. Es entstand auch eine Männerbewegung als Antwort auf die Feminist*innen, welche bis heute mehr oder weniger anhält und lächerlicherweise mehr Rechte für Männer fordert.

Ein sehr präsentes Thema der zweiten Welle war auch das Recht auf Abtreibung. Und wie wir erst vor kurzem gesehen haben, dank gewissen Gesetzen in den USA ist der Kampf für dieses Recht immer noch mehr als wichtig und aktuell.

Die dritte Welle, die wohl bis heute anhält, entwickelte sich in den 1990er Jahren als Antwort auf den oben bereits angesprochenen Antifeminismus und auf die Ansicht, dass doch bereits alle gleich behandelt würden. Die Ziele der dritten Welle sind prinzipiell die selben wie schon die der zweiten Welle. Hinzu kommt allerdings noch die Queer-Bewegung zusammen mit der Black Lives Matter-Bewegung und einigen anderen Subbewegungen. Deshalb wird auch von einigen Forscher*innen davon gesprochen, dass wir uns seit einigen Jahren schon in der vierten Welle befinden.

Wichtig für die Feminist*innen heute ist, dass alle Geschlechter (nicht nur Männer und Frauen), alle Angehörige aller Sexualitäten und aller „races“ gleich behandelt werden. Die gendergerechte Sprache ist ein sehr wichtiger Teil dessen, genauso wie die Me Too-Bewegung und der Tendenz, Opfern von sexueller oder sexualisierter Gewalt eine Stimme zu geben.

Für mich persönlich ist Feminismus und alles was dazu gehört ein sehr wichtiges Thema und gewissermaßen eine Herzensangelegenheit. Ich bin zwar kein Mensch, der auf jeder Demo mitläuft, doch man kann sich für eine Bewegung auch anders einsetzen. Ich konzentriere mich vor allem darauf, Ungerechtigkeiten oder Diskriminierungen in meinem Umfeld zu erkennen, darauf aufmerksam zu machen und die Menschen aufzuklären.

Ich bin außerdem der Meinung, dass jede*r selbst bestimmt leben soll. Wenn eine Frau Hausfrau und Mutter sein möchte, während ihr Ehemann arbeiten geht, dann ist sie eine ebenso gute Feministin wie die Frau, die von One Night-Stand zu One Night-Stand springt und Karriere gemacht hat, ohne die Hilfe von Männern. Wichtig ist, dass jede die andere akzeptiert und unterstützt in ihrer Lebensplanung.

Das ist Feminismus für mich: Die Akzeptanz und Unterstützung jedes Lebensentwurfes, solange er selbst bestimmt ist, mag er auch noch so fern der eigenen Realität sein.

Ich könnte noch einiges mehr über Feminismus schreiben, wahrscheinlich sogar ganze Bücher. Vieles habe ich auch schon in meinem Beitrag über Sexismus erklärt. Doch ich möchte den Rahmen dieses Beitrags auch nicht sprengen, deshalb kommen jetzt lediglich noch einige Stimmen aus meinem Umfeld zum Thema Feminismus und meine Quellen beziehungsweise Video- und Lektüretipps.

Feminismus ist der jüngste und wohl ehrlichste Versuch, mehr Geschlechtergerechtigkeit zu schaffen. Wie in jeder Bewegung gibt es Ausreißer, dies tut dem wichtigen Zweck jedoch keinen Abbruch.

Stimme des Feminismus (männlich, 23 Jahre)

Für mich ist das, in allen Bereichen ständig zu versuchen, Geschlechterrollen und deren Folgen zu analysieren, verschiedene Erfahrungen zu reflektieren und zu vergleichen und dadurch zu versuchen, eine geschlechterunspezifisch gleichwertige Gesellschaft zu schaffen.

Stimme des Feminismus (weiblich, 20 Jahre)

Feminismus ist für mich zum größten Teil eigentlich, dass Frauen und Männer gleich behandelt werden. Das heißt kein Unterschied im Beruflichen […], im Privatleben […] und natürlich einfach keine Diskriminierung […]. Also einfach dafür einstehen und kämpfen, dass jeder gleich behandelt wird, es aber nicht so an die große Glocke hängen, weil es sonst nie normal werden kann.

Stimme des Feminismus (weiblich, 20 Jahre)

Feminismus ist für mich der Einsatz für die Gleichberechtigung der Frauen. Demzufolge sind nicht nur Frauen Feministen. Als Feministin möchte ich die gleichen Rechte für Frauen erreichen – was aber auch gleichzeitig die gleichen Pflichten mit sich zieht. Das Sprichwort „Selbst ist die Frau!“ fasst das Ganze in meinen Augen sehr gut zusammen.

Stimme des Feminismus (weiblich, 20 Jahre)

Feminismus ist für mich ein neuer Blickwinkel auf die Gesellschaft, der mit einem Empowerment der Frau und dem Hinterfragen von bestehenden Strukturen einhergeht. Feminismus soll zu einem Umdenken des einzelnen Individuums führen, womit letztendlich eine Änderung der Geschlechterverhältnisse und somit der Gesellschaft erreicht werden soll. Ziel sind Gleichberechtigung von Mann und Frau, sowie eine offenere Denkweise in Bezug auf (Geschlechter-)Normen.

Stimme des Feminismus (weiblich, 19 Jahre)

Feminismus ist für mich eine persönliche und gesellschaftliche Motivation, welche als Ziel die Veränderung der aktuellen gesellschaftlichen Ungleichheiten zwischen den traditionellen, patriarchalen Geschlechterrollen hat.

Stimme des Feminismus (männlich, 24 Jahre)

Empfehlungen zum Nachlesen und Informieren:

  • Doku: Baumeisterinnen der Republik: Hertha Firnberg – ORF
  • Text: Gaga Feminism for Beginners – J. Jack Halberstam
  • Video: Feministin trifft Anti-Feministin – 1LIVE
  • Video: Hysteria – Stefanie Sargnagel
  • Instagram-Seiten: @feminist @farida.d.author

Bis bald, deine

Angela ❤

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Frauenbewegung

Bilderquellen: wikipedia, unsplash

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